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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
428
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tage euerer Geliebten oder Wohlthäter begehen, aber nicht dasAndenken des Göttlichen ehren, der die Fesseln des Jrrthumssprengte, in welchen die Welt schmachtete, und der eben dadurchan euerm Geiste der erhabenste Wohlthäter geworden? Warumstiftet ihr den großen Männern der Vorwelt, berühmten Weisenoder blutigen Siegern, Denkmale und Feste? Jesus, der Welt-lehrer, der Heiliger euers Gemüths, der euch der Tugend unddurch sie dem höchsten Wesen näher führte, ist er nicht größerals alle eure Helden waren?

Und wenn das von der Christengemeinde gefeierte Abend-mahl, wie ihr saget, auch nur eine bloße sinnbildlicheHandlung der Kirche wäre: warum tretet ihr mit er-künstelten Vorurtheilen vor den Tisch des Herrn? Wisset ihrnicht, daß sinnbildliche Handlungen auf das Volk und dessen Vor-stellungsweise mächtiger wirken, als kalte, trockene Vernunft-schlüsse? Wisset ihr nicht, daß sie selbst für den weisesten undeinsichtvollsten Menschen eben so werthvolk sein können, undnothwendig sind, als für den schwächsten der Christen? Dennnicht aus reiner Vernunft, sondern auch aus Gefühl besteht desMenschen Gemüth. Der beste der Sterblichen, mit aller Einsichtdes Guten und Nützlichen, wird endlich matt für die Tugend,wenn nicht von Zeit zu Zeit ein feierlicher Umstand seine Gefühleerweckt und seine Kraft erhebt. Der Beste der Sterblichen istnicht zu allen Stunden gleich aufgelegt, die Hoheit seiner Seelein herrlichen Handlungen zu äußern; er bedarf eines großenReizmittels für den abgespannten Geist, und dies ist, mehr alsalles Andere, eine sinnbildliche Feierlichkeit, zumal eine heiligeFeierlichkeit, wie die des Nachtmahls der Christen. Hier wirdder Triumph aller Tugenden begangen, deren die menschlicheNatur je fähig war und sein wird; hier der Siegertod einesWelterlösers gefeiert, der sein Blut für uns vergoß; hier seineStiftung abgehalten, welche das erste ursprüngliche Verhältnißder Sterblichen unter sich und Gott wieder herstellt. Denn siehe,wie einst vor des Weltrichters Throne, fallen hier die Schrankenirdischen Unterschieds auseinander; hier ist nicht vornehm, nichtreich; hier scheidet nicht edles und unedles Geblüt; hier naht