Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
427
Einzelbild herunterladen
 

427

Bund zwischen Gott und den Menschen gestiftet. Nur indemer so nach jüdischer Art redete, begriffen ihn seine Jünger, diesämmtlich vom jüdischen Glauben waren.

Doch erst, als er auf Golgatha's Höhen am Kreuze sein heiligesLeben zum Opfertod dargebracht hatte; erst als die erschrockenenJünger Zeusen gewesen, wie dort sein Leib gebrochen, wie dortaus Todeswunden sein Blut geflossen war: erst da ward ihnender Sinn seiner Worte lichthell, die er beim letzten Nachtmahlezu ihnen gesprochen hatte; erst da ihnen seine Bitte heilig:Solches thut, so oft ihr's thut, zu meinem Gedächtniß.

Und sie thaten es zu seinem Gedächtniß. Die Abendmahls-frier trat nun an die Stelle der jüdischen und heidnischen Ge-bräuche und bildete den heiligen Mittelpunkt der christlichenVerbrüderung. Sie ward von den ersten Christen mit Ehrfurchtund Andacht begangen; und der letzte Christ, welcher einst aufErden wandelt, wird sie mit gleich frommer Rührung begehen.

Es sind freilich in unfern Tagen Viele, welche über dieWichtigkeit dieser alterthümlichen, heiligen Handlung sehr ab-weichend, oft sehr gleichgültig, noch öfter sehr herabwürdigenddenken. In ihrer vermeinten Aufklärung ist darin nichts, alsein veralteter Brauch zu sehen, den man noch gewohnheits-halber beibehält. Sie finden darin höchstens nur eine sinnbildlicheHandlung, deren Sinn aber zum Theil nicht einmal recht ver-standen werde von denen, welche sie begehen; oder allenfalls einfeierliches Andenken an den Stifter des christlichen Glaubens,das man etwa beibehaltcn müsse, um das Volk durch irgendetwas Aeußerlichcs an die Religion zu fesseln.

O ihr Eingebildeten, voll gefühlloser Weisheit, voll kalter,unbeseligendcr Aufklärung! und wenn denn nun das von derChristengemeinde gefeierte Abendmahl auch sogar nichts wäre,als das Gedächtnißfest der Leiden und des Welt-erlöscrtodes Jesu: warum entzieht ihr euch mit gemeinerVornehmthucrei dem Feste? - Warum verschmähet ihr dieTheilnahme an dem feierlichen Mahle, zu welchem glaubensvoll-eure Väter traten, und wo sie Seligkeit und Friede fanden fürihre Seele? Warum wollet ihr in euern Häusern die Gedächtniß-