schiedener Gemüthsart, prüfe, je offenbarer wird es mir: Wirschildern die Welt selten, was und wie sie ist,sondern nur, was wir von ihr halten. Und wirhalten selten von ihr etwas Anderes, als waswir im Grunde selbst sind.
Die Welt spiegelt sich also gleichsam ganz anders ab in derVorstellungsart des Einen und des Andern. Je nachdem wirbessere oder schlimmere Erfahrungen gemacht, je nachdem wirleichtern Sinn oder trübere Launen haben; je nachdem wir ge-sunder oder kränklicher sein mögen; je nachdem wir mehr oderweniger Jahre zählen — wird auch unsere Vorstellung ab-weichend.
Lehre mich, wie du von der Welt denkst — gib mir deineUrtheile über Bekannte und Unbekannte — sage mir, wie manim Umgang mit den Leuten auf eine kluge Weise sich zu ver-halten habe: und ich will dir wieder sagen, von welcher Art dieErfahrungen gewesen sind, die du in deinem Leben gesammelt;ich will dir das in deiner Gemüthsart Vorstechende nennen.
Wir selbst haben weniger mit der Welt zu thun, als viel-mehr mit dem Bilde, welches wir von ihr im Spiegel unsersGemüths tragen. Ist dieser Spiegel trübe, so ist Alles finster;ist dieser Spiegel befleckt, so finden wir auch diese Flecken inder Welt; iü dieser Spiegel hell, so strahlt auch Alles rosen-farben und glänzend.
Sehet das Kin-d, in dem noch kein Arg ist! — wie gut-mütig. vertraut cs doch Jedem. Es weiß von Verstellungmchts. Es offenbart Jedem ohne Argwohn seine Gedanken;und weil es Niemanden betrogen, glaubt es nicht betrogenwerden zu können. In seiner schönen Unschuld hält es Alles fürjchuldlos. Wie könnte es auch Böses, das es noch nicht kennt,von der Welt fürchten?
Sehet den Jüngling, anders erscheint ihm die Menschheit.Halb Kind, halb Mann, trägt er noch die ursprüngliche Gut-müthigkeit der Unschuld und schon die Schüchternheit dessen,der da weiß, wie oft man getäuscht werden kann, und daß mannicht zu allen Stunden derselbe sei. Im Hochgefühl seiner