Seelenruhe, Zufriedenheit mit dem, was wir haben, das WesenDes Glückes sei; und doch vergesse ich noch allzuoft mich selbst,und trachte in äußern Umständen zu finden, was ich nur in meinerBrust suchen soll. —> Ich habe schon oft im Laufe meiner Schick-sale erfahren, daß kein Ereigniß für mich so unglücklich war,welches nicht seine guten Folgen gehabt, daß kein Verhängniß sofinster gewesen, welches nicht unverhofft durch einen plötzlichenoder unmerkbaren Wechsel der Dinge angenehme Heiterkeit-empfangen hätte: und dennoch zittere ich noch heute bei jedemUnfall mit kindischer Verzagtheit; doch quäle ich mich noch mitverzweiflungsvollen Sorgen, als wenn es keine Vorsehung gäbe.Die über den Lauf meiner Begebenheiten wacht.
Wohl ist cs endlich Zeit, daß ich weis« stlkroe, je mehrgreine Tage zunehmen! Was yuft es mir, erst dann weise zuwerden, wenn ich bald aufhöre zu sein? Warum erschrecke ichAn meinem Geburtstage oft, daß ich schon wieder ein Jahr--mehr zähle? Nicht das Aelterwerden ist ein Uebel, sondernLas Nichtweiserwerden.
Ein neuer Geburtstag ist ein neuer Abschied von einem.Traum, eine neue Begrüßung der näher gerückten Ewigkeit! —Deine Tage sind gezählt, und dein längstes Leben ist vorbei-gegangen, ehe du es glaubst. Was dachtest du noch vor einemJahre von dem, was dir bevorstand? Aber was denkst du jetztvon dem Jahre, das du verlebt hast? Waren deine miß-Vergnügten Tage der Mühe wcrth, die sie dir machten? WarenDeine Hoffnungen nicht vielfache Betrügerinnen, wie es auchDeine unzeitigen Besorgnisse gewesen sind? Gott gab dir Vieles:»aber du hast noch nicht Alles. Was dir noththut, dies Eine,Lies Höchste, wodurch du alles Uebrige gewinnst, ist der göttlicheFrieden, ist die Weisheit Jesu!
Weisheit Jesu! ja, nach dir ist mein Streben. OhneDich ist mein Lebenslauf in sich selbst ohne Einheit, ohne Zu-sammenhang, und jedes Jahr ein verlornes; jeder wieder-kehrend»: Geburtstag ein Tag des innern Unwillens und Miß-muths über das Vergangene.