Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
390
Einzelbild herunterladen
 

390

ihre Bewunderer: Man umringt sie mit kleinen Festen, mitSchmeicheleien. Ihr Herz wird von unbekannten weiblichenGefühlen bewegt; sie geht von einer Freude zur andern über;sie sieht von ihrer Höhe herab auf die jüngern; sie vergleichtsich nicht ohne geheimen Stolz mit den altern, schon verblühtenSchwestern. Sie kann durch die Blumenfülle ihres Lebens-frühlings noch nicht die Gluth der sommerlichen Sonne empfinden,welche alle Kraft austrocknen wird. Sie ahnet die Freuden ihreskünftigen Standes, das Vergnügen der Gattin an eines geliebtenMannes Seite, das Vergnügen der Mutter von scherzendenKindern umringt. Aber ein Geburtstag um den andern rücktherbei. Nicht ohne geheimen Schauder zählt sie endlich auchdenjenigen unter ihren Tagen, der sie über ihr Blüthenalterhinwegführt. Ihre Schönheit ist halb vergangen; jüngere machenihr schon den Preis derselben streitig. Bald cs kostet nochdie Feier einiger Geburtstage ist sie von Venen verlassen, diesie sonst bewunderten. Die Rosen der Ehe zeigen nur zu oft auchdie in der Ferne nicht wahrgenommenen Dornen. Die weinendeMutter muß auch lernen ein geliebtes Kind aus der Wiegenehmen, um es in den Sarg zu legen, und die Freude an andernmit Sorge erkaufen. Zu schnell floh ihr das Leben, und immerschneller, je näher es den Gebrechlichkeiten des höhem Alterszueilt.

Betrachtungen, wie diese, sind die Betrachtungen des Christenin einer einsamen Stunde des Tages, da er vor mehrern Jahrenin die Erdenwelt eintrat. Nicht immer aber sind cs seine Be-trachtungen; jedoch sollten sie es sein. Die Flügelschnelle derZeit sollte ihn daran erinnern, früh mit Weisheit zu handeln,um nicht zu spät von einer verderblichen Reue gefoltert zu werden.Wer in der Jugend die Besonnenheit und die Erwägungen desspätem Alters annimmt, darf im Grcisenalter sich des Heiter-sinns und der Selbstzufriedenheit der Jugendtage erfreuen.

Es wäre zu wünschen, daß der Geburtstag nicht bloß einhäusliches Fest glücklicher Familien wäre, sondern auch einerder heiligsten und ernstesten jedes Gemüths. Wir erleben ihnnur selten, und an jedem sind wir anders geworden, und die