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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
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Je älter wir werden, je kürzer dünken uns die Jahre. Wieür'n Stein, der vom Berge rollt, seine Geschwindigkeit vermehrt,je tiefer er fällt: eben so das Leben, je weiter cs sich von derKindheit entfernt, und dem Alter und dem Grabe zueilt. Allen ver-rinnt der Sand im Stundcnglase erst zu langsam, dann viel zuschnell. Das Kind strebt begierig nach der Höhe des Lebens,weil es sich nach Freiheit sehnt, und nach dem Genüsse derErwachsenen. Aber nur zu bald wird es über die Flüchtigkeiteiner Zeit erschrecken, der man keine neuen Flügel schenken sollte,weil die ihrigen schon so gewaltig und unaufhaltsam forttragen.

Mit Wohlgefallen tritt der Jüngling in das schöne Lebens-alter, wo er, der väterlichen Aufsicht entzogen, nun eigenerGebieter seiner Tage und Handlungen wird. Was sonst nurLunkele Hoffnung gewesen, blüht vor ihm in Erfüllungen. Erfühlt seine Kraft, und zweifelt an nichts. Er entwirft seinePlane, er geht muthig an ihre Vollstreckung; seine Einbildungs-kraft bekleidet Alles mit ungewöhnlichem Zauber. Er berechnetalle Möglichkeiten, um seine bcsten Wünsche auszuführen: aberNicht die Flüchtigkeit der Jahre, nicht die Hinfälligkeit der Kräfte,-nicht Mißgeschick der Zeiten. Er wird Mann, Gatte, Vater.Er lernt in bittern Erfahrungen, daß der Mensch, weit ent-fernt, Alles thun zu können, was er sich vorgesetzt habe, nurso viel könne, als er wegen der eisernen Gewalt des Verhäng-nisses dürfe. Wo er Wohlleben erwartete, fand er Sorgen; woer sein letztes Ziel vermuthcte, unerwartete Schwierigkeiten.Unvermerkt ist bei diesem Arbeiten und Ringen nach dem, wassr nie erreicht, sein Haar grau geworden. Er erschrickt davor.Er wird ernster, gelassener, stiller. Viele tiefe Wunden hat erim Kampfe für's Leben davongetragen; von mancher blutetnoch sein Herz; andere sind vernarbt. Er sieht hinter sich. Erentdeckt jetzt erst, wo er oft geirrt hat. Er ist weiser geworden,und bereut Manches, was er gethan, noch Mehrcres, was erehemals unterlassen. Diese Weisheit ist ihm köstlich, aber oft zutheucr erkauft, immer zu spät gekommen.

Mit Wohlgefallen tritt die aufblühende Jungfrau in dieFrühlingstage ihrer Schönheit ein. Diese Schönheit findet