Umstände rings umher sind auch nicht mehr dieselben. Wie vielliegt noch vor mir, spricht der Jüngling; wie viel liegt schonHinter mir, der bejahrte Mann. Wie Mancher fehlt schon heuteim Kreise meiner Freunde, der noch vor wenigen Jahren dazugehörte, und wie weit bin ich noch vom Ziele meiner letztenWünsche! spricht Jeder.
Ich aber, wenn ich den Tag begehe, an welchem mich denSchöpfer vor mehrern Jahren in diese Erdenwelt hineinrief, willmich vor Allem zuerst seiner Liebe und Huld erfreuen; will, soweit ich mich zurückerinnern kann, meinen Lebenslauf betrachten.Dann, das Schicksal meines letzten Jahres, und mit Davissprechen: Groß sind die Werke des Herrn auch an mir; werihrer achtet, hat eitel Lust daran. Was er ordnet, das istlöblich und herrlich, und seine Gerechtigkeit bleibet ewiglich. Erhat (auch in meinem Lebenslaufe) ein Gcdächtniß gestiftet seinerWunder, der gnädige und barmherzige Herr! (Ps. 111, 2—4.)
Er rief mich an das Licht der Welt, da ich nichts von mirwußte, und sprach zu mir: Werde! ehe ich war, um für michzu sorgen, und mich zu beglücken. Nicht bloß den Leib wollteer beglücken, und mit dem, was die Menschen im gemeinenLeben für vortrefflich halten; denn was das Irdische an mir ist.Las ist das Geringste. Sondern mein unsterblicher Geist iscks,der das Edelsteist, und welcher besonders der Vaterhuld des:Schöpfers genießen soll.
Wer bin ich? Von wannen komme ich? Was war dieserGeist, ehe ihn Gott mit einer menschlichen Gestalt bekleidete? —Lebte er schon früher und unter Umständen, deren ich mich nichtmehr erinnern kann, weil sie ganz von den menschlichen ver-schieden sind? Beseelte dieser Geist vielleicht schon früher eineandere Hülle, in welcher er noch unvollkommener war, als gegen-wärtig? Ist vielleicht mein gegenwärtiger vollkommener Zustanvrine höhere, belehrendere Stufe meiner Kraft, die sich dazu inHmhern Verhältnissen würdig machte? Wird vielleicht der Zurstand meines Geistes nach dem Tode dieses Leibes nicht eben soVerschieden sein von meiner Lage, als Mensch, wie mein gegen-wärtiger menschlicher Zustanv ganz anders und erhabener sein