uns seines Daseins zu erfreuen, weil Gottes Gnade auch dieseSeele ins Leben rief, um sie, und vielleicht auch durch sie guteAcltern, zu beglücken. Eben so wenig können wir eigentlich denTodestag des Menschen immer als den Erlösungstag von irdischenLeiden mit Frohlocken feiern; denn diese Erdenwelt als einenAufenthalt des Jammers zu denken, ist der Wahrheit wider-sprechend, der Barmherzigkeit und Liebe des ewigen Vaterszuwidergedacht, und keineswegs mit Jesu Sinn vereinbar.Auch ist nur für gute Christen, für wahrhaft edle Seelen, dieStunde der endlichen Auflösung im Tode eine freudige Wieder-geburt zu einem vollkommener» Leben. Wer möchte sich beimTode des Sünders freuen, den sein Gericht unfehlbar erwartet!
Immer ist jedoch für den nachdenkenden Christen, demnichts im Leben ganz gleichgültig ist, der Jahrestag seines Ein-tritts in diese Welt ein wichtiger Tag, an welchen sich großeErinnerungen knüpfen. Dieser Tag ist eine entscheidende Stufein seinem Lebenslauf, und solcher Stufen sind wenige. Es gilthier im Gewöhnlichen das, was im Gebot Moses, des MannesGottes, über die Hinfälligkeit unsers irdischen Daseins gesagtwird. Unser Leben wahret siebenzig Jahre, und wenn es hochkommt, so sind cs achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesenist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnelldahin, als flögen wir davon. — (Pf. 90, 10.) — Nur wenigeMenschen zählen in ihrem Leben so viel Stufen: die meistenerreichen sie nicht, und gehen früher zu Grabe.
Und wie viel Stufen an deiner Lebensleiter hast du schonzurückgelegt? Wie viel bleiben dir aller Wahrscheinlichkeit nachnoch zu thun übrig? Und wenn du die letzte betreten hast, aufwelche du hoffen kannst; wie alt bist du dann? — wie betagtsind dann deine Freunde, deine Freundinnen, deine Bluts-verwandte? — wie wird dann in und außer dir Alles andersgeworden sein? — wie viele von deinen Lieben werden dir damrschon fehlen, die dich heute noch freundlich umgaben? — Sodenkst du; so denken Andere. Ach, vielleicht bist du es, derihnen fehlt!— Wer weiß es, Jüngling, Mädchen«, ob du nichtschon in der Mitte deiner kurzen Laufbahn stehst?