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gehen zu lassen, ohne sich seiner, als einer wichtigen neuenLebensstufe, es sei nun mit angenehmen oder unangenehmenEmpfindungen, zu erinnern. Immer geht der Gedanke durchseine Seele: So alt binichnungeworden! — Je nach-dem der Mensch mehr oder weniger gewohnt ist, über sich undseine Verhältnisse nachzudcnken, schlüpft er entweder leichtsinnig-darüber hinweg, oder die Betrachtung wird ernsthafter.
Es ist uns erzählt worden, daß es in der Vorzeit Menschen >gegeben, welche unter ihren religiösen Hausfesten von der ge-meinen Art, den Geburtstag zu begehen, gänzlich abwichen. Siefeierten die Geburt eines Kindes mit Wehklagen und Mitleid.Sie betrauerten schon im voraus dessen Widerwärtigkeiten, diees noch erfahren würde; die Krankheiten, Schmerzen, Sorgen,Mühseligkeiten, welche es noch zu ertragen habe. Sie sprachen:Wie sollen wir uns freuen über das Erscheinen des Säuglings,der unter Schmerzen geboren ward, und mit Weinen in dieWelt tritt, als sähe er schon die Reihe von Uebeln voraus, dieihn erwarten? — Dagegen feierten sie den Todestag ihrerFreunde mit stillem Vergnügen, als den Erlösungstag von allenirdischen Leiden, als das Gcburtsfest der Seele zur ewigen Selig-keit. Sie schmückten den Leichnam mit Blumen, und bekränztenihr eigenes Haupt mit denselben, zum Zeichen ihrer Theilnahmean dem Wiederaufblühen des abgeschiedenen Geistes in schönemGefilden Gottes.
Diese Sitte widerspricht freilich gewissermaßen der mensch-lichen Natur, aber doch ist sie nicht ohne einen erhabenen Ge-danken, welcher zur Ueberlegung reizt. Es ist etwas Wahresdarin, daß wir uns eigentlich nicht immer über die Geburt einesMenschen zu freuen haben, dessen Schicksale uns noch von derwohlthuenben Hand der Zukunft verschleiert sind. Es ist etwasWahres darin, daß wir den Todestag als ein Erlösungsfest derSeele von ihren irdischen Banden betrachten müssen. Alleinnicht das, was dem neugebornen Kinde bevorsteht, haben wireigentlich zu beklagen — kein anderes Schicksal, als was es sichselbst durch seine künftige Denkart erwirbt, oder was ihm GottesVatergüte bereitet hat, erwartet dasselbe — sondern wir haben