zeugungen des denkenden Geistes; aber keine festen Gefühle,denn sie beruhen auf dem Irdischen in unS, und alles Irdischeist der Wandelbarkeit unterworfen.
Aus diesem ergibt sich nun von selbst, daß meine Religiositätum so wankender und sich ungleich sei, je mehrsiesichaufbloße Gefühle stützt. Weicht der Boden: wie mag dasdarauf beruhende Gebäude bestehen? So wenig der Mensch imStande ist, durch seinen bloßen Willen in immerwährenderFreudigkeit, in unveränderlichem Entzücken oder in glcichbleiben-dem Schmerze zu sein: eben so wenig ist er fähig, sich durchseinen bloßen Willen in die tiefste Rührung, Andacht undInbrunst zu versetzen, oder immer im Gewühl des Lebens das-jenige mit der gleichen Innigkeit zu empfinden, was er sich ineiner begeisterten Stunde des Gebetes so zu empfinden vornahm.Daß man nicht jederzeit den sehr richtigen Unterschied zwischenGefühlen und Gedanken beobachtete, gab sehr guten Christenoft Anlaß, sich mit Vorwürfen wegen Leichtsinns, Gleichgültigekeit und Lauheit in ihren Gesinnungen gegen Gott zu betrügen.Allein sie wollten, indem sie Gefühle bleibend zu machensuchten, das wahrhaft Unmögliche. Nicht in ihren Ge-sinnungen, nicht in ihrer Denkart gegen das Himmlische warensie anders geworden, sondern sie konnten sich nur nicht auf derHöhe ihres Gefühls von Liebe und Andacht erhalten und dieehevorige Gemüthsftimmung erneuern, weil ries nicht von ihnenabhing. Sie hatten Unrecht, dies als eine Wirkung der Erb-sünde anzusehen, oder gar als eine Macht des Satans. Es wardie nothwendige Folge ihrer Natur, die ihnen Gott verliehen,und welche überall keiner bleibenden Anstrengungen fähig ist,ohne wieder erschlafft zu werden. Der Körper, wenn er durchanhaltendes Wachen erschöpft ist, muß nothwendig in um sotiefer« Schlaf versinken.
Aber auch in den Umgehungen des Menschenliegen die Ursachen sHr- veränderlichen religiö-sen Stimmung. U'',A ^ .§jcht immer Schöpfer und Herr
' der Umgebungen , welch? <^f sein Gemüth einwirken. Es istschon nn großer -wischen unscrm Zustand in der