lieber eine Seinesgleichen, die, ihm statt Flitterputzes so vielVermögen zubringt, daß ihm die Einrichtung seines Haus-wesens erleichtert wird. Die geschmückte Armuth wird vergessen,und die hochstiegenden Plane des älterlichen Stolzes werdendemüthigcr, jemehr die Jahre kommen, in welchen der jugend-liche Reiz der Tochter verschwindet.
Daher die Menge der Unverehelichten, zumal in größer»Städten, wo die thörichte Sucht, sich über seinen Stand zuerheben, und es Vornehmern gleich zu thun, immer mehr über-hand nimmt. Daher das traurige Loos solcher Jungfrauen,welche entweder gegen die Bestimmung ihres Geschlechts einsamdahin welken, oder von ihren hohen Ansprüchen ablaffen, und,um versorgt zu sein, Männern die Hand bieten müssen,deren Gewerbe, deren Bildung ganz von dem verschieden ist,was sie erwartet haben. Daher dann die Widersprüche der ver-meinten höhern Anlagen und edlern Neigungen mit dem wirk-lichen Berufskreise; daher dann die Unzufriedenheit mit seinemStande; da^er die zerrütteten Wirthschaftcn, die thränenvollenEhen!
Auch nicht wenig zu Verderbung des Kopfes und Herzensder Jünglinge und Töchter für ihren künftigen Beruf und Standträgt die in größer« und kleinern Städten herrschend gewordeneViellcserei bei. Junge Leute glauben sich zu bilden und ihrenGeschmack zu veredeln, indem sic ohne Auswahl, ohne Ratheines verständigen Freundes, Romane, Mährchen und Schau-spiele lesen, statt nü./ cher Werke, aus denen sie etwas für ihrekünftigen Berufspflichten erlernen könnten. Es kommt ihnendabei leider nicht so sehr auf die vorgebliche Bildung ihresGeistes an, sondern mehr auf angenehme Schwärmereien fürihre ohnehin reizbare Einbildungskraft. Sie erhöhen dadurchihre natürlichen Gefühle zu einer lächerlichen oder krankhaftenEmpfindsamkeit oder Empfindelei. Das gemeine Leben wirdihnen fade und widerlich, weil es ganz anders und ernster da-steht, als das phantastische Hirngespinnst ihres Dichters. Siemachen höhere, träumerische Forderungen an die Welt, alsdiese erfüllen will und kann. Sie klagen das Leben an, wo sie