Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
372
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Dann erst sieht man den Irrthum ein, wenn der Sohn ent-weder in dem ihm zugedachten Stande gänzlich mißlingt, oderwenn aus ihm nur ein halber Mensch geworden ist; wenn erklagt: Hätte nicht ein falscher Ehrgeiz meine Aeltern verführt,die zu hoch mit mir hinaus wollten, ich würde glücklicher sein;ich würde mich anständiger und sicherer ernähren können. Jetztbin ich in einer Lage, wo man mehr von mir fordert, als ichleisten kann. Aus Mangel an hinlänglichen Mitteln sehe ichnicht ein, wie ich mir jemals ein unabhängiges, und in demmir gegebenen Stande anständiges Leben führen rönne/ Ichwerde lebenslänglich in fremder Dienstbarkeit stehen, oder michdürftig und spärlich durchquälen müssen.

Die Sucht vieler Aeltern, sich und die Kinder über ihrenStand zu erheben, ist heutiges Tages ein allzugemeines Uebel,als daß man es nicht fast überall erblicken sollte. Man hat ver-lernt, sein Glück und seinen Ruhm in demjenigen zu suchen, wasuns die Vorsehung beschieden, und will rnit Eigendünkel dieWeisungen der Weltregierung verbessern.

Am gewöhnlichsten findet dieser Fehler in der Behandlungder Töchter statt. Man gibt ihnen eine Erziehung, die meistensüber ihren Stand hinausgeht. Weit entfernt, sie zu jener Ein-falt und Sparsamkeit und Häuslichkeit zu gewöhnen, welchekünftig den redlichen Mann beglücken können, der sie zur Gattinwählen möchte, gewöhnt man sie an mancherlei Bequemlichkeiten,an Lustbarkeiten und Ergötzungen, zu welchen der künftige Ehe-mann oft weder Neigung noch Vermögen hat. Statt ihnen durcheine reiche Aussteuer die Möglichkeit zu geben, sich und ihremkünftigen Gatten Leben und Betrieb des Gewerbes zu erleichtern,verschwendet man die Ersparnisse an Putz und Pracht, die Tochtervor allen Andern glänzen zu lassen, in der Hoffnung, ein reicherMann werde die Tugenden dieser Feinerzogenen allem Ver-mögen vorziehen. Die Folgen davon sind leider offenbargenug. Der redliche Mann, nicht im Stande, den Aufwandund alle die kleinen Bequemlichkeiten und Bedürfnisse zu be-streiten, an welche die feingebildete Tochter gewöhnt ist, thutVerzicht auf ein Ehebündniß mit einer solchen. Er wählt sich