mit Vermessenheit, wo Anbetung und schweigende Verehrung^Das Gemüth fülleil sollte.
Wenn endlich die Zwecke nicht erreicht werden, zu welchenDie Vorsehung den Menschen hinwinkt: so ist es des MenschenSchuld. Es sind seine Leidenschaften, seine Thorheiten, die ihnLen falschen Weg ergreifen lassen, und gegen das wahrhafte GutÖlenden. Nicht Gott ist's, der ihn mit sich selbst entzweit. DerMensch ist's, der sich mit Gottes weisern Entwürfen entzweit.
Schon die Aeltern pflegen oft in der Erziehung der Kinder'Den ersten Samen der folgenden Unzufriedenheit zu säen; devEhrgeiz des Vaters, die Eitelkeit der Mutter, welche sich mitBebe für die Kinder beschönigen, stürzen diese durch unüberlegteBehandlung in ein spätes Verderben. Man gibt den Söhnen eineErziehung, die durchaus nicht zu dem künftigen Beruf schicklichist, welchen sie unter ihren Umständen zu ergreifen haben. Man.gewöhnt sie früh, als Herren zu leben, da sie in Zukunft Diener'-zu sein bestimmt sind; man füllt ihren Kopf mit Kenntnissen,Die zu ganz andern Geschäften leiten, als zu den GeschicklichkeitenDes Handwerksmannes. Kein Wunder', wenn nachher der junaeMensch Abneigung gegen ein Gewerbe beweiset, das er ausMoth übernehmen muß, inzwischen man ihm schon Neigungenfür andere Geschäfte einzuflößen angefangen hat.
Oer Stolz mancher Aeltern wählt oft noch schlimmere Wege.Schon an der Wiege des Kindes wird über dessen künftigen Berufentschieden, ehe man noch wissen kann, ob es Anlagen zu dem-selben habe. Man will es zur Verherrlichung der Familie höhersteigen lassen, glänzendere Rollen spielen lassen, als die Aelternund Vorältern hatten. So geht der Sohn des Taglöhners ohneMittel in die Lehre zum Handwerker oder Künstler; der SohnDer Handwerkers, ohne hinlänglichen Rcichthum in die Geschäftedes Kaufmanns; so der Sohn des Bürgers und Bauers, ohneHervorstechende Talente, auf die höhern Schulen, um in dengeistlichen oder gelehrten Stand einzutreten. Viel zu spät erst,wenn schon der beste Theil des Lebens unter langen Vor-bereitungen verloren gegangen ist, wird man des Fehlgriffesgewahr, und die Reue schleicht dem unbesonnenen Stolze nach.