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Wangen unglückseliger Brüder zu trocknen. Es ist ihnen leichterdas Gebet, als die mühsame Arbeit; leichter, den Eingebungeneiner gereizten Einbildungskraft in schwärmerischen Betrach-tungen zu folgen, als ernst und gründlich über ihre Pflichtennachzudenken, die ihnen Jesus vorschrieb.
Daher wird die Religion bei manchen Menschen nur zurtändelnden, das Gemüth auf eine anmuthige Weise beschäf-tigenden Unterhaltung, nicht zum Kampf über anklebende Fehlerund Leidenschaften. Man gefällt sich, Jesu die schmeichelhaf-testen Namen beizulegen, und mit dem erhabensten Wesen kindischzu spielen, statt zu gehen, wie er, durch Sturm und Todesnacht,und für das Glück des menschlichen Geschlechts wohlthätigeThaten zu verrichten. Man gefällt sich in Träumen, aber weißsich im Wachen und Handeln nicht zurecht zu finden.
Nichts ist in solchen Gemüthszuständen leichter, als unver-merkt in seltsame Verirrung des Geistes, in verderbliche Schwär-mereien zu gerathen, wo man der Hauptsache des Christenthumsvergißt UN» sich in Nebendinge» verliert. Nichts ist dann leichter,als daß der Schwärmer aus stolzer Selbstzufriedenheit glaubt,das beste Thcil erwählt zu haben, und diejenigen Christen ver-achtet oder in allein Ernst bemitleidet, welche nicht so empfindenund fühlen und glauben, wie er. Er hält nur zu demjenigen,der mit ihm gleiches Sinnes ist, und macht eine Scheidewandzwischen sich und Andern, die er noch nicht für Bekehrte, Buß-fertige und Erweckte ansieht. Er maßt sich an, Herz undGlauben der Sterblichen zu richten, während doch Gott alleinnur die Herzen prüfen, die Gewissen richten kann. Die Schwär-merei macht gegen Andersdenkende mehr oder weniger mißtrauisch,herabsehend, ungesellig, oft sogar feindselig.
Das aber ist keine reine Gottesliebe, dies kein wahresChristcnthum. Was Jesus während seiner Menschheit auf Erdenempfand im Innersten seines Herzens, das bewahrte er darin;öffentlich aber und im Geheimen handelte er nach GottesWillen. Seine Gotteöverehrung, die er uns^ zum Muster dar-stellte, war kein stundenlanges Beten, war kein Ausschmückenvon Altären, Gräbern, Tempeln, war kein beständiges Weinen,V. lü