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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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selben in Thränen des Entzückens ausbricht. So können wirx Gott lieben, so uns mit chrfurchtvoller Andacht und Sehnsuchtihm im Gebete nahen, selbst wenn jene schwärmerische Stimmung,der Ungestüm der Empfindungen fehlt, die wir in manchen be-deutenden Augenblicken unsere Lebens kennen lernten.

Gefühle find oft nur Wirkungen unserer körperlichen Reiz-barkeit. Aber unsere Religion, das heißt, unsere Gottesliebesoll dabei weder gewinnen, noch dadurch leiden. Es gibt Zeiten,in welchen wir reizbarer und zu lebhaften Bewegungen desGemüths geneigter sind, als sonst. Sogar ein mehr oder minderkränkelnder Zustand des Körpers trägt dazu oft nicht wenig bei.Wie, wenn sich unsere Gottesliebe, unsere Religion auf solchenabwechselnden Zustand gründete, wie verschiedenartig würdeunsere Liebe zur Gottheit selbst werden, sogar wider den Willenunsers Geistes! Das Kind und der Jüngling ist zu schnellemAufwallungen, zur Begeisterung, zum Entzücken, ungleich ge-neigter und fähiger, als der Mann und die betagte Frau. Wie,sollten Kinder und jugendliche Personen darum Gott wahr-hafter, inniger und würdiger lieben, als der ruhige, tugendhafteMann, als der edle Christ im Greisenalter? Nein, unsereReligion, unsere Gottesliebe soll so sehr als möglich von irdischenEmpfindungen rein, so sehr als möglich von ihnen unabhängigbleiben; sie soll geistiger Natur sein, wie Gott ein Geist ist.

Gefühle, wenn man ihnen zu sehr nachhängt, wenn manihnen in der Gottesverehrung zu großen Werth gibt, bemächtigensich allzuleicht der Herrschaft über die Vernunft, unterdrückenden freien Geist, und verunstalten das Verhältniß, in welchemer zum höchsten Wesen stehen soll.

Die Quelle der meisten Neligionsschwärmercien liegt inder unbesonnenen Macht der Gefühle, welche in religiöse Ge-sinnungen und Handlungen übertragen worden. Leider ist csvielen Sterblichen angenehmer, mit Empfindungen zu spielen,als mit Selbstaufopferung Gutes zu thun; cs ist ihnen leichter,im Tempel oder in der Einsamkeit Thränen der Andacht zu ver-gießen und Thränen der Rührung, als hinzugehen, mit Ent-behrungen eigener Bequemlichkeiten Thränen des Elends von den