sich hat und khut, wird durch sein viehisches Begehren und Sinnenentstellt. Selbst wenn er noch vortreffliche Anlagen hat, ist cszu beklagen, daß ste nicht in ihrer ganzen Pracht prangen. Dennohne seine Selbstentnervung würden sie noch schöner und fürMitbürger und Vaterland fruchtbarer geblüht haben. ,
' Schamhaftigkeit ist die heilige Wächterin jeder keuschenEmpfindung. Ein rohes Wort, eine unanständige Geberde,eine unsittliche Entblößung, ist genug, sie zu verwunden. Siebeschützt das reine Herz gegen des Lasters erste Anfälle mit oftunbesiegbarer himmlischer Kraft. Der Abscheu, welcher gegendas Unanständige aus den Augen blitzt; der Abscheu, mit demsie sich zu Boden senken, um sich nicht durch den Anblick desUnwürdigen zu entweihen; die hohe Röthe, welche von denWangen wie ein heiliges Feuer strahlt, worin sich gleichsamalles Unhcilige verzehren muß: verkündet das Dasein diesesSchutzengels der Unschuld. Wer ist verworfen genug, ihn nichtzu ehren; unempfindlich genug, ihn nicht zu lieben?
Nur der Mensch kennt dieses edle Gefühl, nicht das Thier.Wer jenes Gefühl verloren, ist dem Thiere gleich geworden,und erregt selbst den Ekel feiner frechen Sündengenossen. DasKind, sobald sich feine Vernunft zu entwickeln anfängt, empfindetdieses natürliche Schämen. Aeltcrn und Erzieher haben es nichterst anzuempfehlen, nur zu ehren, nur aufmerksam darauf zumachen.
Je größer in einem Lande das Sittenvcrderbniß wird, jenäher ein Volk seinem Untergänge steht, je herrschender wirddas Verbrechen der Unkeuschhcit, je seltener die liebenswürdigeTugend der Schamhaftigkeit. Da sehet ihr Greise die Unschuldverhöhnen, Vorsteher des Landes das Beispiel der Unzuchtgeben, Familienglück das Spiel viehischen Leichtsinns werden,die Tugend lächerlich machen, und Kinder früh reif in den Lasternsich wälzen, vor denen ihre edlern Väter einst mit Recht er<schracken.
Der Reiz der Schamhaftigkeit, dieser Zauber jugendlicherSchönheit, wodurch sie ehrwürdig wird, dieser edle Schmuckder Betagten, wodurch sie zu erkennen geben, wie sie des Herzens