kehrung aller Begriffe von dem, was recht, anmuthig und adel-voll ist. Sie hält das Ekelhafte für reizend, das Unanständigefür gefällig, das Widernatürliche für natürlich, die Bescheidenheitfür Ziererei, die Verschämtheit für Vorurtheil, das Abstoßendefür anziehend. Sie horcht nicht auf das Wort, des Bessern,sondern auf das Beifallgelächter der Verderbten; sie horcht nichtauf den mahnenden Ruf eigener Ueberzeugung, sondern hältihn für die Stimme kindischer Thorheit, die noch aus ersterErziehung anklebt.
Der Leichtsinn ist ihr Vater, die blinde Gefallsucht ihreMutter. Um zu gefallen, enthüllt sie mit frecher Hand ihreBlößen, und der Leichtsinn hindert, daß sie wahrnehme, wiesie des Zwecks verfehlt. Um geistvoll und über Vorurtheileerhaben zu scheinen, spielt sie mit unanständigen Worten, mitunsittlichen Geberden, ist ohne Scheu vor ekelhaften Zwei-deutigkeiten im Gespräch, zufrieden, wenn sie der Verdorbenenwieherndes Gelächter erregt. Sie prahlt mit ihrer Schande undrühmt sich des Schlechten, wie eines Triumphes. Und doch —so mächtig ist auch in den Verderbtesten noch die angeborne Ehr-furcht für die Tugend! — wagt sie nur unter Frechen frech zusein; aber vor den Augen der Bessern will sie wenigstens nochden Schein bewahren. Sie kann und muß heucheln, um unterden Guten geduldet zu werden. Kann sie dies nicht mehr: sostößt die Gesellschaft sie als einen Abschaum aus.
Wie verächtlich ist der freche Jüngling, dessen Blick, dessenganzer Zustand verräth, er habe sich schon längst von seinerUnschuld getrennt, und sei der Verdorbenheit Sklav! Wie ekel-haft ist der betagtere Mann, der mit unsittlichen Redensartendie Unschuld erröthen macht, und sich freut, das ZartgefühlAnderer zu verletzen! Wie verächtlich ist besonders das Frauen-zimmer, welches sich selbst der höchsten Anmuth seines Geschlechtsberaubt, und in seinen Handlungen, Bewegungen, Geberdenund Worten der eigentlichen Würde entsagt, um männlicher zu
scheinen; welche; .mps'stoch äüp«c SLöllhesit des Körpers,als durch die Vorzüge des Gemüths gefallen will; mehr nochdurch unzüchtige Entblößung gefallen will, wodurch auf die