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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
338
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finden, die das öffentlich zu thun vermeiden, was ekelhaft srmkönnte.

Die Erziehung kann das edle Gefühl des Wohlanständigennicht erschaffen, sondern nur ausbilden; ihm im gesellschaftlichenLeben mehr Bestimmtheit geben, und seine Richtung leiten.

Es kostet daher in der That größere Mühe, diesen amgebornen zarten Sinn für das Schickliche, Schöne und Gute zuersticken, zu vernichten, als ihn zu erwecken. Es gehört schoneine gräßliche Uebung dazu, und die abstumpfende Macht einerschändlichen Gewohnheit, um das Erröthen über Unanständig-keilen zu verlernen, und mit dem Ekelhaften ohne Scheu um-zugehen. Immer wird noch oft uüd bei jedem Fortschritte dieseFeuerröthe auf die Wangen zurückkehren. Denn die SchamHastigkeit ist eine Tochter unsers innern Richters des-Gewissens.

Das Gewissen erwacht zugleich mit den ersten Begriffen desü'ck '?ch22?bafti«keit färb! L.e WäUürü oxx «nschuldiaemJugend früher, als die Jugend einen vollendeten Unterrichtempfangen kann über das, was recht und unrecht ist. Wohl dem,,der diese schöne Kindlichkeit des Gemüthes bis in sein spätestesAlter hinüber nimmt! Er bleibt immer liebenswürdig. DerZauber der Unschuld und der Seelenreinhcit gibt nicht nur denrKinde, der Jungfrau, dem Jüngling jene unwiderstehliche Ammuth, sondern auch dem Manne, dem Greise, der Hausfrau^der betagten Wittwe. Die Schönheit empfängt von diesem Zart-gefühl ihren höchsten Reiz; und Mangel der Schönheit macht esvergessen.

Das Gegentheil der Schamhaftigkeit ist Schamlosigkeitund Frechheit; es ist ein Hinwegsetzen über das Urtheil allerEdeln, aller Feingebildeten; es ist ein Verachten des Wohl-anständigen, ein Betrüben des innern Richters ein Selbstmord der Seele.

Die Schamlosigkeit kann nicht statt finden, ohne eine vor-hergehende Vernichtung jedes sittlichen Selbstgefühls, ohne Weg-tilgunz des Tugendfinnes in seinen zartesten Wurzeln. Sie kannnicht statt finden ohne vorhergehende Verwirrung und Um