und sie wissen nicht, wo sie fallen!
Ost hört die Jugend: Was werden die Leute von dirsagen? Selten hört sie: Was sagt der allwissende Gott, undwas dein Gewissen? Das Kind gewöhnt sich, der Leute willenzu handeln, und hat cs den Augen derselben ein Genüge gethan,glaubt cs seine höchste Pflicht vollstreckt zu haben. Man lobtes; cs freut sich des leicht verdienten Beifalls. Es vergißt, daßcs in der Brust ein Gesetz, einen streng richtenden Gott in denHimmeln hat —- cs lebt für die Achtung der Welt. Zwar manbemerkt seine Eitelkeit; Loch erregt die kindliche Aeußerung der-selben nur Lächeln. Man nennt dies ein schönes, laut gewordenesEhrgefühl. Die Unvorsichtigen wünschen sich selbst Glück, denedeln Funken entzündet zu haben, und fachen ihn freudig nochmehr an. Wehe, er gedeihet ohne fremde Hilfe!
Das eitle, bcifallsüchtige Kind lernt bald heimlich begangenesUnrecht verhehlen, und Aeltern und Erzieher täuschen. Es freutsich, manches Verbotene genascht zu haben, und doch unentdecktzu bleiben. Es kennt das Böse, aber cs verwirft cs nicht,sondern es verheimlicht es nur, um nicht Verachtung zu ärnten.Es kennt das Gute, aber schätzt es nur, um vor den Leutendesto mehr Ruhm damit zu erwuchern.
Und das eitle Kind wird zum ehrsüchtigen Jüngling. Mäch-tigere Leidenschaften erwärmen ihn, höhere Ziele erblickt er. Erwill gefallen, will glänzen; ein verächtlicher Blick von einemAndern wäre ihm Oual. Den Menschen eine gute Meinung vonsich beizubringcn, ist sein Bemühen. Er verzeiht sich selbst un-edle Handlungen, wenn sie nur nicht bekannt werden. SeineUnerfahrenheit, sein Leichtsinn, seine lebhaften Gefühle reißenihn zu manchem Fehltritt hin. Er wird Heuchler, undfreut sich seiner Lebcnsklughcit. Er wird Lügner, und freutsich seiner Schlauheit. — Er will an Geschicklichkeit Jedenübertreffen, und wo er cs nicht kann, gelingt cs ihm doch, denGeschicktern durch mancherlei gegründeten oder erdichteten Tadelin der Meinung Anderer hcrabzusetzcn; er wird Verleumder,voller Neid, aber er verzeiht sich dieNothlügcn; sie führen ihn