Mutter. Zu tief im Strom wird er von demselben hinwcg-gewirbelt. Er wird seine Nettungslosigkeit erst mit Grauseninne, wenn er in den Strudeln untcrsinkt.
So wie schwerlich Jemand tugendhaft sein kann, der nichtaller Tugenden Freund ist: eben so wenig kann ein Sterblichereiner Sünde die Hand bieten, ohne ihr ganzes schwarzes Ge-folge zu umarmen. Denn wer sich einer lasterhaften Begierde,wer sich einem sogenannten Temperamentsfehler ohne Wider-stand überläßt, der hat schon den reinen Seelenadel verloren;dem ist wahre Religiosität schon lästig; dem ist die Erinnerungan Gott und Ewigkeit eine verdunkelte Vorstellung; dem istder Gedanke an die höhere Bestimmung des menschlichen Geistesschon ein gleichgültiges Mährchen. Aber was hält ihn, wenndies Alles fehlt, noch ab, sich allen übrigen Schändlichkcitenpreiözugebcn, die aus dem herrschend werdenden Hauptfehlerhervorquellen? Der stärkste Damm ist nun gebrochen, dieFluthen des Verderbens streunen herüber beim ersten Zusammen-treffen unglücklicher Anlässe. Freilich noch wehren die Furcht vorbürgerlicher Schande und öffentlicher Bestrafung, noch wehretdie Erinnerung an Ansehen und guten Namen Vieles ab. Aberwie gebrechlich ist dieser Zaum im Rachen einer unbändigenLeidenschaft! — Zwar ist sie vielleicht noch nicht so unbändig;aber füttere sie, und sie wird erwachsen. Zwar ist die Gefahrnoch nicht groß, da du ruhig und bei deinen Fehlern sogar nochvon Vielen geachtet dahin lebst: aber kennst du deine Zukunft?— kennst du das furchtbare Spiel von allerlei Zufällen, diedich aus deinem Gleichgewicht heben können?
Man sagte schon von manchem ehemals geschätzten Mann:Die Umstände machten ihn zum Verbrecher! Nein,nein, es gibt keine Verhängnisse, die zum Verbrecher machen;menschliche Schwachheit ist es, Mangel an Seelengröße ist es,welcher die Umstände verbrecherisch benutzt. — Denn wenn dieeiserne Nothwendigkeit gebieterisch erscheint und zum Handelntreibt — was soll handeln? O>:e Geist steht kraft- und tugend-los, die Leidenschaften wirken, allein. Das Verbrechen wird voll-