Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
332
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Nicht nur, daß anfänglich wirklich gefahrlos scheinende un-anständige Neigungen zuletzt, bei anhaltender Duldung und Be-friedigung, in wüthende Laster entarteten; daß die Näschereiendes Kindes zu diebischen Versuchen des Knaben, zu verbrecherischenAnschlägen des kühnen Jünglings, endlich zu Straßenräubereicndes Mannes wurden die gemeine Geschichte der meisten mitdem Tod bestraften Räuber und Mörder! nein, noch eineandere schreckliche Eigenschaft der Sünde ist vorhanden, nämlichdaß sie selten allein im Menschen dasteht, sondern gleichzeitigandere Scelenübel um sich her erzeugt, oder zu schändlichenHandlungen zwingt, die der Thäter oft selbst aus Herzensgrundverabscheut.

Eine Sünde ist der andern Mutter, dies lehrenuns zahllose Erfahrungen. Wie ein Gift nicht nur den nächstenThcil des Körpers verletzt, den es berührt, sondern sich zerstörendLurch die entferntesten Gegenden des Leibes ausbrcitet: so ver-dirbt eine einzige Untugend, die man in seiner Brust zu hegennicht unanständig findet, endlich das ganze Gemüth. Es läßt sichdas schauderhafte Wunder leicht erklären, wenn man über dieNatur des menschlichen Herzens nachdenkt. Nichts möglicher,als daß derjenige, welcher schon unedel genug ist, sich selbstirgend eine Schwachheit zu verzeihen, auch gleichgültiger gegendas Erscheinen einer zweiten ist, die er vorher nicht kannte undauch nicht liebte. Er ist nicht mehr rein: so entstellt ihn einzweiter Flecken nicht viel mehr als der erste. Er sieht noch dienachtheiligen Folgen der ersten schlechten That nicht, so hofft erauch die Folgen der andern ohne Mühe vermeiden zu können.Es gelingt ihm vielleicht. Sein schändlicher Wandel bleibt denMenschen verborgen. Es belustigt ihn wohl gar, die Leute inder Täuschung erhalten zu können; er wagt kühne Schritte. Ergeräth in Verlegenheiten; aber durch irgend ein Unrecht weiß ersich vom Verdacht und der Bestrafung des Vorhergegangcnen zubefreien. Das gibt ihm neuen Muth, fortzufahren. Er rechnetfortgesetzt auf seine Klugheit, auf günstige Umstände, und ver-wirrt sich zuletzt in ein Labyrinth von Vergehungen, die erselbst nicht mehr überschauen kann. Eine Sünde wird der andern