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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
328
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geworden, auch in Sache des ganzen Gemüths verwandelt?Sind wir immer darum so, wie wir wohl wissen, daß wir seinsollen?

Nur zu gewöhnlich ist es, daß wir uns desjenigen, was dasWeisere ist, gerade dann am wenigsten erinnern, oder nur sehrdunkel, wenn wir Lust und Anlaß haben, das verbotene Gegen-thcil zu thun. Darum scheint mir die Anhörung göttlicherWorte im Tempel, oder das Lesen vortrefflicher, herzbessernderSchriften, eine sehr wesentliche Pflicht zu sein, um großeErinnerungen in meinein Gedächtnisse zu erwecken.

Zu Fehltritten gibt uns jede Woche, ich möchte sagen, jederTag Anlaß. Der Reiz der Sünde wohnt immerdar mächtig inuns. Aber ist der Reiz zur edeln Denkart, zur Bekämpfungunserer Unvollkommenheiten allezeit so oft und lebhaft in uns?Und wenn äußerliche Umstände uns zum Schlechter» hinlocken:ist cs nicht Pflicht, auch dagegen unsere bessern Gefühle so oftals möglich rege zu machen? Ach, wie bald erlöschen dieEindrücke in uns, welche die Religion auf uns gemacht hat!Wie flüchtig ist selbst die heiligste Begeisterung! Darum sollenwir sowohl die Kirche als die Lesung solcher Schriften, welchedas Herz verbessern, als wichtige Mittel betrachten, die unsererFähigkeit und Neigung zur Tugend Stärke und Uebergcwichtgegen die fortdauernden Reizungen der Sinnlichkeit gewährenkönnen.

Das ist eben der Grund der allgemein unter den Menschenherrschenden Gemeinheit und verächtlichen Mittelmäßigkeit, daßsie üch so leicht über ihre Mängel zu trösten wissen; daß siezufrieden sind, wenn man ihnen nur keine groben, bürgerlichenVerbrechen vorzuwerfen hat, welche den strafenden Ernst welt-licher Gerichte auffordern; daß sie sich freuen, wenn sie in allemUcbrigen, was ihr Herz berührt, die Leute täuschen können undfür Edlere gehalten werden, als sie in der That sind. So gebensie sich kaum Mühe, die ihnen anklcbenden schlimmen Gewohn-heiten und Fehler auszutilgen, und sie verstecken ihre niedrigeDenkart hinter den beschönigen sollenden Gemeinspruch: JederMensch hat ja seine Fehler, und so habe ich auch die meiniacn.