Doch, sic ahnen nicht, daß jede, auch die aller-unscheinbarste, fehlerhafte Neigung der Mutter-keim zu künftigen Verbrechen ist. — Sie bedenken nicht,daß der Mörder und Mordbrenner, dessen Haupt unter demSchwert des irdischen Richters fällt, daß der Giftmischer, daßder verabscheute Ehebrecher, daß der ekelhafte Trunkenbold,daß der verschmachtende Geizhals, der verzweifelnde Selbst-mörder — endlich jeder Verbrecher seine fürchterliche Laufbahn,die >m Abgründe des Elends endete, nur mit kleinen, tadelhaftenNeigungen in der Jugend anfing.
Freilich Jedermann glaubt und hofft es; so weit wirdes mit mir niemals kommen! Aber auch die unglück-seligen Missethater, wenn sie den entsetzlichen Gang zum Blut-gerüste gingen, die Verzweifelnden, wenn sie das schauderhafteWerkzeug ergriffen, ihren Stunden hiei.ieden ein Ende zu
machen-auch sie hatten es vor Zeiten nie für gedenkbar
gehalten, jemals ihr Leben auf so traurige Weise beschließen zumuffen. Wie manche Person von nicht geringer Erziehung,um deren Wiege Freudenliedcr ertönten, und welcher es Thor-heit und Wahnsinn geschienen haben würde, wenn man ihrden schrecklichen Ausgang ihres Lebenslaufes geweissagt habenwürde, erkannte-endlich, daß der Anfang ihrer spatern Ver-brechen ein ganz unbedeutender Fehler gewesen, den man zu-weilen in der gemeinen Sprache des sogenannten guten Tonsauch wohl gar liebenswürdig genannt hatte!
Darum sagt die heilige Schrift jenes Wort voll hoher Wahr-heit: „Der Gottlosen Weg aber ist wie Dunkel;und wissen nicht, wo sie fallen werden!" — (Spr.Sal. 4, 1l).)
Wer nicht Gemüthstärke genug hat, einen seiner kleinernFehler zu vertilgen, hat auch nicht Kraft genug, ihn zu ver-tilgen, wenn er zum herrschenden Laster erwachsen ist. Werden austretenden Bach nicht eindämmcn kann: wie will er denAlles überwältigenden Strom bändigen?
Fehler sind Anlagen zum Bösen, die in Thätigkeit über-gehen. Die erste Aeußerung einer schlechten Neigung geschieht