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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
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nur Vorzüge, welche wir ohne Widerspruch im Andern erkennen,erwerben ihm unsere Aufmerksamkeit, unsere Achtung, unserefeste Zuneigung. Wer schwacher ist, als wir selbst sind, wirdfrüher oder später, wenn der Schimmer verflogen ist, der unsanfangs blendete, verächtlich. Es gibt viele Personen, die weitmehr dazu gemacht sind, sich Freundschaften zu erwerben, alssie lange zu besitzen. Sie gewinnen die Herzen durch die An-nehmlichkeiten ihres Aeußern, durch den Glanz ihres Witzes,durch leichte, gesellige Eigenschaften, die ihren Umgang belebenund genußvoll machen; aber gewöhnlich gleicht ihr einnehmendesBetragen nur einem festlichen Kleide, welches sie ablegen, sobaldsie die Gesellschaft verlassen, und ohne Verletzung des Anstandesihren Launen, ihren niedrigen Gelüsten, ihren falschen Absichten,ihrem Leichtsinn freies Spiel geben können. Der Unerfahrnewird von ihnen entzückt; wer sie naher und länger beobachtethat, schämt sich des Entzückens wieder.

Der süße Trieb der Freundschaft, welchen Gott in unsereBrust legte, ist an und für sich nur ein dunkelcs Streben unsersGeistes nach Anneigung des Bessern und Vollkommenem. Solange wir durch dies göttliche Gefühl erhoben werden, voll-kommener zu sein, um die Achtung einer geliebten Person zugewinnen oder zu vermehren, ist die Freundschaft im scgensvollenBlühen. Sie welkt und hört auf in dem Augenblicke, da wiraufbören, Vorzüge in Andern zu entdecken, welche uns Ehrfurchteinflößen.

Daher, um glücklich zu wählen, soll Niemand derVertraute unsers freundschaftlichen Herzens wer-den, welchen wir nicht durch längern Umgang schonin mannigfaltigen Lagen des Lebens beobachtenkonn ten. Nicht das Aeußere seiner Gestalt, nicht die Anmuthseincs gesellschaftlichen Betragens, nicht sein Rcichthum oderAnsehen bei andern Menschen, sind uns sichere Bürgen seinerTreue und Aufrichtigkeit: sondern dies müssen die unzweideutig-sten Proben seiner tugendhaften Denkart, der Uncrschütterlichkeitseines Karakters, seiner Uneigennützigkeit und Verschwiegenheitsein. Wehe, wenn wir versäumen, auf diese Grundsäulen wahrer