Mlcin doch ist ein wichtiger Unterschied zwischen solcher liebersollen Achtling und jener cngern Vertraulichkeit, zu der einemnige Freundschaft anlockt und berechtigt.
Wenn es auch nicht immer der Stolz der Menschen ist, der-sich bei glänzender» Glücksumständen weigert, dem geringer»»Freunde die alten Rechte und Freundschaften zu gestatten, kannDas ungleiche Verhältniß auf manche Art den reinen GefühlenDer Liebe und Vertraulichkeit Eintrag thun, und sogar mit ihnenim schädlichsten Widerspruche stehen. Es fordert der Freund vomFreunde Gleichheit des Vertrauens. Wie lange kann dasselbebestehen, wenn Einer des Andern Herr und Gebieter ist? WieEann selbst zuweilen ohne Gefahr höherer Pflichtverletzung derVorgesetzte der Busenfreund seines Untergeordneten sein, undähm seine Angelegenheiten mittheilen? Wie viele Fälle sind nichtacdcnkbar, da der Höhere gegen den Untergebenen den strengenErnst der Gerechtigkeit zu üben hat; und darf freundschaftlichesjemals Ll'c Ausübung der Gerechtigkeit lähmen? IstDer Vornehme sicher, daß ihm der Geringere ganz ohne heim-lichen Eigennutz anhange? Wird der Niedrige es immer ohneVerdruß ertragen, wenn der Höhere ihn, der Umstände willen,Mehr als einmal öffentlich, wie jeden andern Fremden, wenig-stens zum Schein gleichgültig behandelt? Nicht ohne Grundspricht man daher: Könige können selten wahre Freunde besitzen;Senn selten ist der Untcrthan weise genug, sich im Umgänge mitSem Erhabenen alles Eigennutzes zu entschlagen; selten der Hoherver'se und glücklich genug, von einem wahren Weisen aus seinenlUnterthancn geliebt zu werden.
Es ist nur allzugewiß, daß treue, dauerhafte, beglückendeFreundschaften leichter unter Menschen von den verschiedenstenEigenschaften und Denkarten geschlossen werden können, alsrmier Personen von verschiedenem Geschlecht und verschiedenemRang.
Jederzeit aber ist in der Stiftung vertrauter Freundschaftgefehlt, wenn ihr nicht vor allem Andern eine innige gegen-felsige Hochachtung zum Grunde liegt, die der Eine für dieVollkommenheiten des Andern hegt, welche ihm mangeln. Denn