Aber stelle den Menschen, auch den rohesten, in die Einöde:er wird nicht der Verlassene sein wollen; er wird Theilnahmeund Liebe begehren und geben; er wird die leblosen Felsen zuseinen Vertrauten machen; er wird sich selbst täuschend denschattigen Baum zum Zeugen seiner Empfindungen machen; erwird wilde Thicre zähmen, um ihre Anhänglichkeit und Treue zugewinnen. Der Mensch kann und will nicht einsam, kann undwill nicht ungeliebt sein. Er will Theilnahme für sich erregen,ohne diese gilt ihm das ganze Leben wenig. Alles, was er ist,das ist er weniger für sich, als für Andere. Er dürstet nach ihremBeifall. Ihnen zu gefallen schmückt er sich. Für ihre Dankbar-keit stürzt er sich kühn in Todesgefahren. Für ihren Beifallopfert er seine Ruhe, seine Freuden auf. Um sie nicht von sich zuscheuchen, verhüllt er die Fehler, die ihn entstellten. Alles, oftnur zu viel, ist er Anderer willen; und wenig, oft nur zu wenigfür sich selbst.
Das Bcdürfniß der Freundschaft ist überall vorhanden. DieNatur legte cs in unser Ecmüth — wem es fehlte, der wäreeine Abweichung von der Menschheit, ein Ungeheuer, ein amGeiste Irrer. Dies Bedürfniß entwickelt seine Kraft schon inden ersten Kindheitsjahren. Da herrscht noch allgemeines Zu-trauen zum Menschenhcrzcn und dessen Theilnahme, so wie daskindliche Herz gleich freundlich und theilnchmcnd für Jedenschlägt. Aber mit der wachsenden Erfahrung steigt die Schüch-ternheit. Das Gemüth des Kindes fand sich oft getäuscht, oftdurch der Menschen rauhe Außenseite oder durch lieblose Gleich-gültigkeit in sich selbst zurückgeschreckt. Der junge Mensch verwei-gert zwar Niemandem seine Theilnehme, aber er erwartet sie nichtmehr von Jedermann. Und doch verlangt sein Herz darnach.Er sehnt sich, wenigstens eine Seele zu finden, die sich in engerVertraulichkeit an die sinnige schließe; der er sein Inneres auf-thun, seine Wünsche, seine Aussichten, die ihm überströmendenGefühle mittheilen könne; mit der er Trost um Trost, Freudeum Freude austauschcn darf, und von welcher er liebendbeobachtet, freudiger, fester, sicherer durchs Leben geht.
Wie kommt es nun, daß bei der allgemeinen Sehnsuchtjedes Menschen nach einem Freunde, von dem er treu gelebt,