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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
311
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des Gemüths darstellt, oder den sinnvollen Schauspieler, der dieLeidenschaften, Thorheitund Größe der Menschheit täuschend vorunser Auge bringt. Gedenkt die heilige Schrift nicht ruhmvollIubals, des Erfinders der Musik; Tubalkains, des Meisters inallerlei Erz - und Eisenwerken; nicht der Tänze Davids; nicht dersalomonischen Prachtgebäude? Wird nicht von Lukas dem Evan-gelisten behauptet, er sei ein Maler gewesen? Wirkte Paulus,der Apostel, nicht Teppiche mit kunstvoller Hand?

So ist denn das Streben nach äußerer Schönheit, und dieUebung derjenigen Künste, welche sie zum Zweck haben, allerdingsnichts weniger als verächtlich, oder gar verdammunzswürdig,sondern löbllch und ehrwürdig. So ist es Ungerechtigkeit, nurdiejenigen Handwerke und Gewerbe zu preisen, welche etwasunmittclbarNützliches Hervorbringen, die dir Schuhe undKleider, Waffen und Brod, Obdach und Geräthschaftcn geben,und alles Andere als unnütze Kunst zu verschmähen, was höchstensnur vorübergehendes Vergnügen zu verschaffen, und bloßes Werk-zeug der Ucppigkeit, Frucht des Uebcrflusses zu sein scheint.

Durch die Beförderung der cdlern Künste wird selbst dieReligion und die Andacht der Sterblichen befördert. Habendich nie Schauer stiller Ehrfurcht durchdrungen, wenn du durchdie hohen, dämmernden Hallen eines Tempels wandeltest? Riefes dich nicht zur Verehrung des Allerhöchsten,, wenn du denkünstlich gezierten Hochaltar sahst oder die Begebenheiten einerheiligen Vorwelt dich aus sinnvollen Gemälden anrcdcten? Be-flügelte sich deine Andacht nicht, wenn die Macht wohllautenderTöne dich umrauschte, und die Himmel in ihnen zu dir niedcr-zusteigen schienen? Hat sich beim Klange frommer Gesänge nochnie dein Auge mit Thronen der Rührung gefüllt? Siche, daswar die Gewalt der cdlern Künste, welche dein Gemüth ergriff!Sie sind es, die zum Geist und zum Herzen sprechen, währendandere Gewerbe nur deine gröbern Leibesbedürfnifse befriedigen;und da der Mensch, so lange er im Staube wallt, immerdarein mit dem Sinnlichen engverflochtencs Wesen bleibt, ist csgöttliche Stiftung, daß selbst der Zauber sinnlicher SchönheitHerz und Geist veredeln muß.