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Bei allen rohen Völkern, wenn sie sich aus ihrem fastthierischen Leben hcrvorreißen wollen, erwacht zuerst der Sinndes Schönen. Ihr Gefühl für Reinlichkeit und Ordnung, fürdas Edle und Erhabene wird deutlicher. Sie geben ihren Ge,räthschastcn angenehme Gestalten, irhen Wohnungen Zierrathen,ihren Kleidern ausgewähltere Farben und Stoffe. Ihr rohesJauchzen verwandelt sich in Wohllaut des Gesanges, ihrfreudiges Hüpfen in ordnungsrcichen Tanz, in welchem sic dieEmpfindung ihrer Seele malen. Sie bereichern ihre Sprachenmit den schönsten Bildern der Natur, und werden Dichter,deren Gesänge von Kindern zu Kindern vererben. Sie singendie edelsten Gefühle des Herzens, die Freuden des Lebens, dieThaten der Vorwelt, und begeistern sich zur Nachahmung derTugenden großer Sterblichen.
So ward die Schönheit eine Mutter der Sittlichkeit, eineVerherrlichen» der Religion. Sie half dem Menschen erst zurMenschheit empor, indem sie ihn von der untern gefühllosenthierischen Stufe losmachte.
So sei uns denn das Schöne ehrwürdig, wir mögen es inder Pracht der Gotteswcrke, oder in der Lieblichkeit menschlicherKunst entdecken/ Wenn das Kind im Ganzen noch me^r thierischist in seinen Neigungen und Begierden: so ist es schon erhabener,' menschlicher, wenn sich edlere Empfindungen in ihm entwickelnim Alter des Jünglings und der Jungfrau. Da ist's, wo derSinn des Schönen erwacht, wie der volle Reiz des Jahrs indessen Frühling. Darum tadeln wir nicht den Jüngling, wenner die rohen Spiele des Knabenalters meidet, und durch höhcrnAnstand gefällig zu werden sucht. Daher tadeln wir nicht dieaufblühende Jungfrau, wenn sic ihre natürlichen Reize durchsorgsamere Bekleidung und geschmackvoll gewählten Schmuck zuheben bemüht ist. — Darum verachten wir nicht den Künstler,welcher unsere Wohnungen zu verschönern weiß, oder durch denWohllaut des Gesanges unsere Empfindungen belebt; nicht denMaler, welcher den Farbenglanz der Schöpfung, nicht den Bild«Hauer, welcher die edcln Formen der Natur nachzaubert; nichtden Dichter, welcher in schönen Bildern der Sprache das Leben