Wohnungen, durch Erfindung neuen Schmucks, oder auf irgendeine andere Weise das Vergnügen der Sterblichen für die kurzeFrist ihres Daseins durch Nachahmungen der schönen Naturerhöhten.
Noch jetzt fehlt es nicht an solchen überspannten, wenn gleichwohlmeinenden Eiferern, die jeden äußern Schmuck sogleich alsEitelkeit verdammen, und die Schöpfungen der Malerei, Bild-hauerei, der Dichter, der Tonkünstler, der Schauspielkunst, derGärtnerei u. s. w. als unnütze, ja wohl gar schädliche Beschäf-tigungen für die menschliche Gesellschaft, und besonders fürChristen ansehen wollen. Sie erkennen darin sogleich Sitten-verderbniß, Ueppigkeit, Wollust, Sinnlichkeit, Weltlust.
Wie? ist das Wohlgefallen am Schönen in der That eintadelnswürdiger Hang des christlichen Gemüths: warum gab mirGott diesen Sinn für Schönheit, den ich verdammen soll? — Istdie Darstellung sinnlicher Vollkommenheit etwas Verächtliches:warum schmückte die Hand des allweisen Schöpfers selbst jedesseiner Werke auf die bewunderungswürdigste Weise? — DasThier hat keine Erkenntnis des Schönen, es möge sich in dermenschlichen Kunst oder in der Natur befinden. Nur der Menscherkennt es, empfinde: es, und seine Brust wird, bei Wahr-nehmung desselben, mit höherm Vergnügen gefüllt. Ist diesnicht ein Vorzug, welchen die Allmacht und Liebe des ewigenVaters den Sterblichen gab?
Warum entzückt mich die Pracht des Sommers so tief?Warum begeistern mich jene Morgenröthen über den Hügeln?Warum durchschauert mich eine heilige Wonne, wenn die unter-gehende Sonne einen glänzenden Purpur durch die Zweige derWälder regnet? Warum stehe ich mit unaussprechlicher Lustbetrachtend vor den Blumenbeeten des Gartens, und ergötzemich an dem zarten Schmelz mannigfaltiger Farben der Blumen ?Warum gehe ich sehnsuchtvoll vom bunten Schimmer der Tu-lipanen zum silbernen Schneeglanz der erhabener» Lilie, oderzum wundersamen Roth der duftigen Rose, verhüllt im grünenSammet ihrer Zweige?