And gibt es in dem, wie wir unsere Handlungen einrichtensollen, auch keine einzelne, ins Kleinliche gehende Anweisungen:so legt es uns doch die allgemeine Vorschrift ans.Herz, in Ge-danken, Worten und Werken (auch Geberde, auch äußerlichesBetragen, ist That und Werk!) voller Liebe und Bescheidenheitzu sein. Liebe und Demuth sind die reinsten Quellen deS Wohl,inständigen in der menschlichen Gesellschaft. — „Nichts thutLurch Zank oder eitle Ehre, sondern durch Demuth achtet euchunter einander, Einer den Andern höher, denn sich selber!'"<Phi!ip. 2,3.) Dies ist die Lehre, welche Paulus zur RichtschnurDes äußerlichen Betragens für Christen und Christinnen gibt.
Die Beobachtung des Wohlanständigen führt die Menschen,welche sich übrigens ganz fremd sein können, freundlich zu-sammen; leitet Bekanntschaften und Freundschaften ein, undhält diejenigen, welche sich ohnehin schon gegenseitig hochachten,nur noch fester zusammen.
Wie wichtig ist es also, sein Aeußeres nicht zu vernachlässigen,sondern im Umgang auch überall auf seiner Hut zu sein, daßnichts Anstößiges darin liege, was Andern eine üble Meinung2>vn uns beibringe! Es gibt Personen, die im Grunde ihresHerzens sehr gut sind, aber durch Fehler einer schlechten Erziehungin ihren Reden und Gebcrden zurückstoßen, oder lächerlich wer-den. Dies raubt ihnen bei Andem theils das nöthige Verträum,theils überhaupt den Einfluß auf die Gesellschaft, wodurch sicmit andern vortrefflichen Gaben erst recht wohlthätig werdenkönnten. — Die bloße Vernachlässigung geziemender Anständig-keit gegen vertrautere Freunde war nur allzuoft schon Ursache,daß Herzen von einander getrennt wurden, die durch ihre übrigenschönen Eigenschaften wohl einer gegenseitigen Liebe werth ge,wesen wären. Aber wie mag man demjenigen zutraucn, daß eruns schätze, der in seinen Aeußerungcn keine Spur von Achtungbeweiset, und alle Aufmerksamkeit vernachlässigt, welche manauch wohl dem Unbekanntesten zu gewähren pflegt?
Das äußerlich Geziemende im Betragen ist oft da, wo dieTugend selbst fehlt, in der bürgerlichen Gesellschaft gleichsameine Ergänzung des Fehlenden. Daher ist es nothwcndig, daß