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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
276
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selbst liebst und dich selbst ehrst. Und du sollst cs, deiner Aeltcrnund Verwandten und Freunde willen; du sollst cs, deiner künf-tigen Bestimmung willen; du sollst es, um deines Glücks willen;du sollst es, um deiner Ewigkeit, um deines Gottes willen.

Du kannst es. Denn die leidenschaftliche Liebe ist wahr-lich keineswegs Werk und Sache eines einzigen Augenblicks,sondern sie wird absichtlich und mit unbesonnenem Leichtsinnerst nach und nach entwickelt und gepflegt, bis die erste leichteEmpfindung des Gefallens an einer Person zu einer Art vonRaserei ausartet. Auch der Trunkenbold wird nicht beim erstenGlase geistigen Getränks, das er in seinem Leben zur Lippeführt, zum Trunkenbold, sondern indem er anhaltend und täglichden Genuß berauschender Mittel in immer steigendem Maße zurGewohnheit, zum unentbehrlichen Bedürfniß macht, bis er zuletzteher vom Leben, als von dieser Gewohnheit scheiden kann.

Oft, ja meistens ist der erste Ursprung der leidenschaftlichenLiebe ein bloßes Gefallen an Gestalt und Wesen einer Person,und dann der sich dainst nachher verbindende Wunsch, auch derGlaube, ihr nicht gleichgültig zu sein, oder gar von ihr geliebtzu werden. Zu diesem Glauben verleitet oft der zufälligste Winkund Umstand. Nicht selten künstelt inan sich sogar, um sein Herzmit angenehmen Gefühlen zu beschäftigen, oder nur um seinerEitelkeit wohlzuthun, aus dem allgemeinen Wohlgefallen in einLieben hinein. Nicht selten schmachtet der schon nach Gegenliebe,der selbst von keiner wahren und reinen Zuneigung beseelt ist,sondern anfangs mehr nur heuchelt, als fühlt, oder wohl garzu fühlen Lust hat. Wehe dein unbewachten Herzen, welchessich so den innern Frieden willig hinwegtändcln läßt, um spätereinst unter schmerzvoller Reue Spott der Andern zu werden!Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus gehet das Leben.'

Zu den überspannten, schwärmerischen Neigungen tragen,bei»! Erwachen des Geschlechcstricbcs, die Reizbarkeit des Ge-fühls überhaupt, und eine unglückliche heftige Einbildungskraftviel bei. Je empfindlicher, lebhafter, Alles mit Begeisterungerfassender inan sich weiß, je mehr man die Lebendigkeit seinerPhantasie kennt, um so mehr muß man, will man nicht als Thor