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Nein, wahrlich von der Gegenliebe einer zärtlich geliebtenPerson hängt keineswegs unsere Gemüthsruhe, unsere innersteGlückseligkeit ab, sondern davon, daß wir im Sturm allerGefühle mächtig über uns selbst bleiben, um frei über den Gangunserer Neigungen zu herrschen, und mit ruhiger Vernunft überunsere Handlungen zu richten.
Es ist freilich unmöglich, eine Person, welche uns liebensrzvürdig zu sein scheint, nicht auch liebenswürdig finden zu wollen.Es ist freilich unmöglich, eine Person, die für uns mit be-zaubernder Anmuth begabt und geschmückt ist, gleichgültig an-zusehen. Sind uns aber Frieden, Glück und Ehre unsers"Lebens theuer, so muß unser Wohlgefallen an Jemandem nieM betäubende Leidenschaft, in einen schwärmerischen WahnsinnDerarten.
Was ist Leidenschaft? — Es ist ein Zustand des Gemüths,La eine einzige Empfindung, eine einzige Begierde, ein einzigerGedanke sich zum Ungeheuern ausgeftaltet, daß alle anderen
Empfindungen, Begierden ürw Gedanken d-Gd'7. 7lrfch'.m^>trrnd beherrscht werden; daß die Vernunft, statt unsere beständigeGesetzgeberin zu sein, unterdrückt, halb vernichtet wird; daß unserGeist, statt frei und selbstthätig zu sein, sich leidend verhält,mnd zum Knecht des einzigen, unmäßigen Gefühls wird.
Jede Leidenschaft ist ein Zustand der zeitweise einrretenden^Vernunftlosigkeit, da man denkt und thut, nicht was man willAnd soll, sondern was die vorherrschende sinnliche Begierde,rvas der Ungestüm eines zur Uebermacht gewachsenen Gefühlsunwillkürlich zu denken und zu thun zwingt. — Wer aber handeltWohl im Zustand der Vernunftlosigkeit klug, vorsichtig und weis-lkich? Wer sieht im Zustande der Vernunftlosigkeit, was ehrbar,anständig, tugendhaft, gottwürdig sei? Wem wird man zutrauen.Laß er im Rausche fähig sei, sein Glück zu sehen und sein Glückzu bereiten?
Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn darausgeht das Leben. (Spr. Sal. 4, 23.)
Behüte dein Herz; bewahre unter allen Verhältnissen dieUnbefangenheit deines Geistes! Du kannst cs, so lange du dich