sein harmloses Lebensglück verscherzen, Alles meiden, was dasWohlgefallen an einer Person zu einer unruhigen, betäubendenSehnsucht nach ihr verwandeln kann. Mehr, als alle Grund-sätze, hilft hier oft leichter Sinn, der sich nicht lange von einemGegenstand binden, überwältigen und fesseln läßt. Diesen heitern,leichten Sinn bewahre in dir; er rettet deine Selbstbeherrschung,deine Selbstständigkeit! Es ist dieser leichte Sinn keineswegsjener verderbliche Leichtsinn, mit dem man sich, blind gegenalle Folgen, allen Neigungen und Gefühlen überläßt, die unsschmeicheln.
Der Umgang mit Personen des andern Geschlechts, ein gegen-seitiges Wohlwollen, selbst alles ruhige Anerkennen dessen, wasan einer oder der andern liebenswürdig erscheint, ist so lange fürunsere Ruhe, Ehre und künftige Freiheit gefahrlos, als nichteine einzige in uns alle übrigen verdunkelt. Selbst die stille,ehrerbietige und unschuldige Zuneigung für eine liebenswürdigePerson des andern Geschlechts, so lange wir dabei nicht unsereBesonnenheit einbüßen, so lange wir, wenn wir von ihr ge-trennt sind, darum keine Verminderung unsers Seelenfriedensempfinden — eine solche Zuneigung kann selbst viel zu unsererVeredlung und Besserung beitragen. Wen wir hochachten, dessenHochachtung wird uns theuer sein. Wir werden uns um diesedurch Entfaltung jeder Tugend, deren wir fähig sind, bemühen.Wir werden in allen unfern Verhältnissen suchen ehrwürdig da-zustehen, als die Besten zu gelten. Die Liebe wird uns vongeheimen Fehlern, von Übeln Gewohnheiten reinigen. Sie wirdunser ganzes Wesen läutern und verklären.
Soll dies aber die Frucht unserer Hochachtung für einePerson des andern Geschlechts sein, so müssen wir auch nurUmgang mit solchen Personen wählen, die uns wahrhafte Hoch-achtung, nicht bloß gemeine, sinnliche Zuneigung, einflößenkönnen.— Wir müssen uns der geliebten Person, eben darum,weil wir sie hochachten und ihre Achtung verdienen wollen, nichtvertraulicher nähern, als es unsere Verhältnisse, unsere Aus-sichten in die Zukunft gestatten. Jede nähere und zärtlichereVertraulichkeit ist verbrecherisch und ehrlos, sobald wir sie wagen