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Der Mensch ist von Natur ein Ganzes, nichts in sich Ge-trenntes. Und will der Mensch die Natur begreifen, sich selbst,die Gottheit, sein Dasein, seine Bestimmung, sein Leben hierund künftig: so muß er's nicht mit getrenntem Gemüth ver-richten.
Vielleicht willst du das, was an sich unendlich ist, bloß mitdeinem Verstände messen und erkennen. Darin fehltest du. Bistdu nicht zufrieden, daß der, welcher dich schuf, den Begriff derUnendlichkeit in dein Ich legte? Wann wärest du ohne diesehöhere Geistcsoffenbarung nur zu dem großen Gedanken gekorn-men? Gott hat sich in dir selbst geoffenbart. Staub, warum,statt diese Offenbarung zu ehren, willst du sie beklügeln undbezweifeln? Und doch sind deine Zweifel umsonst. Die Wahrheitbleibt ewig in dir laut und ruft: so ist's! — obgleich du immer-^ dar einseitig mit dem bloßen Verstände zu grübeln und zu messen! fortfährst. — Laß das in dir walten, was der Geist grossen-' baret hat, und versuche nicht das Unmögliche, hasche nicht much-willig nach Widersprüchen. Mit Eigensinn Zweifel versuchen,macht endlich das Zweifeln zur Gewohnheit, zur Sucht un>>Leidenschaft. Man kann zuletzt dahin gerathen, daß man dieAlbernheit seiner Zweifel selbst einsieht, und doch immer wiederunwillkürlich denkt: es könnte aber doch wohl anders sein. Da.ist das Zweifeln schon zur Sucht geworden, die sich nicht so leichtablcgen läßt. Was du für Hellsinn, Vorurtheillvsigkeit undGeisteskraft hältst, ist wirkliche Seelenkrankheit.
Um Gott, um dich selbst, um die Verknüpfung deines Hier-seins mit einem künftigen Sein zu begreifen, müßtest du selbstGott sein. Begnüge dich mit den ersten Offenbarungen, welchedir der in den Geist legte, der dich nicht vergebens schuf; glaubeund handle froh auf diese hin. Gleiche nicht dem Kinde, welchesaus Begierde, den schönen Inhalt von Büchern zu lesen, daSlangweilige Erlernen der ersten Buchstaben verachtet, und nichtdiese wissen will, sondern den ganzen Inhalt des zu lesendenBuchs. — Wir haben aber hienieden den ersten Buchstabenempfangen, der uns zum Lesen des großen, göttlichen Alls vor-bereitet. Begreife ihn in kindlichem Glauben. Du bist nicht