man glaubt, daß er eine gewisse Entschlossenheit und Stärke derDenkart habe, in keinem Dinge wanke, am wenigsten in seinenhöchsten Angelegenheiten."
So denkt Mancher. Und das Evangelium liegt todt vorihm; und die Freude des Lebens, die wahre, reine Freude amDasein, weicht aus seiner Brust; und die herrliche Welt, dasglänzende All göttlicher Schöpfungswunder, schwebt vor ihm,wie ein finsteres Räthsel.
O mein zagender, unglücklicher Freund, wie betraure ichdeine heimliche Krankheit! Denn Krankheit der Seele ist dochdein Gemüthszustand, so wie Widerspruch und unnatürlicheVerwirrung der Kräfte und Säfte zur Krankheit des Leibeswird. Wer kann dir helfen, wenn du dir nicht selber helfenkannst?
Aber laß uns versuchen, ob nicht der Ursprung deiner heim-lichen Noch zu entdecken ist. Hast du ihn gefunden: so findestdu das sicherste Hilfsmittel dann vermöge deiner Urtheilskraftvielleicht desto schneller. ^
Vieles, was du als Kind erfuhrst und lerntest, Haft du beircifern Jahren, als mangelhaft, von dir geworfen. Aber eshatte dich ehemals zufrieden gestellt; was du seitdem erfahrenund gelernt, will dir nicht genügen. Du möchtest den Kindheits-frieden wieder heimrufen in deine Brust, und deine seitdem ge-wachsenen Kenntnisse hindern dich doch daran.
Vieles, was dir die Kirche sagt, scheint dir zwar für dasAllgemeine sehr zweckmäßig und wohlthuend; aber es sagt deinemVerstand, deiner Erkenntniß nicht zu. Es streitet mit deinenübrigen Einsichten. Du stehst oft im Tempel Gottes unter denChristen, siehst ihre Sakramente, hörst die Vorträge des heiligenWortes — es ist auch an dich gerichtet, aber dir ist zu Muthe,als ob du nicht in diesen Tempel gehörtest, sondern zu einerganz andern Religion.
Wie aber hast du seither nach der seligmachenden Wahrheitgesucht? Vielleicht lag da der Grundfehler deines Uebels, daßdu ganz falsche Mittel anwandtest, dir Beruhigung zu ver-schaffen.