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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
249
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So entschuldigen die gewöhnlichen Menschen unserer Tage'ßede ihrer Schändlichkeitn, so verläugnen Christen noch heuteJcsum ihren Erlöser, und hoffen doch Erlösung. Dann be-stürmen sie mit ihren Besuchen die Kirchen, die Kapellen, dieMessen und Betstunden, und hoffen durch das Verdienst dessenselig zu werden, den sie täglich mit ihren Lüsten und Begierdenkreuzigen. Dann betrügen sie sich selbst, so lange sie es können,bald mit den vermeinten Pflichten einer vorgeblichen Weltklug-heit, bald mit einer zu ihrer Bequemlichkeit erfundenen Religionder Einbildungskraft, indem sie, wie sie sagen, zu den WundenJesu Christi ihre Zuflucht nehmen; oder behaupten, nur durchJesu Verdienst werde man selig, alle unsere Tugend sei dazuentbehrlich; oder hoffen, durch die Fürbitte der Heiligen oderdurch den Genuß des heiligen Abendmahls, oder durch stunden-lange Gebete, den Himmel zu erwerben.- Nein, nein, ihrVerblendeten, irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!Christus selbst widersprach feierlich cuern Jrrthümern, eurerchcquemen Religion, die alles Mögliche glauben, aber Nichtsthun will, was sich mit ihrem Eigennutz oder eurer Gewohn-heit und Verweichlichung verträgt. Er selbst sprach: Nicht alle,die da zu mir sagen: Herr, Herr! werden in das Himmel-reich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters imHimmel. An ihren Früchten und Werken soll man sie erkennen.

Es ist inzwischen nicht zu läugnen, daß es auch für recht-schaffene Herzen Fälle gibt, wo sie über das, was gethan werdenmuß, zweifelhaft sein können. Nicht nur die tägliche Lebens-Flugheit verbietet zuweilen, die Vorschrift Jesu mit voller Strengezu erfüllen, sondern, was weit wichtiger ist, oft kann eine allzu-genaue Wahrhaftigkeit in Wort und That mit andern Pflichtenhöherer Art streiten.

Allerdings gibt es Fälle, wo es eine größere Untugend wäre-,die Wahrheit zu sprechen, als sie zu verhehlen. Wer würde'nicht, wo ein kranker Familienvater, der die Stütze der Seinigenist und zwischen Leben und Tod schwebt, gern ihm dies Lebenzu erhalten suchen durch freudige, beruhigende Nachrichten, stattHm die Wahrheit von der Schande eines seiner ungerathenen