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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
247
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Christus nicht selbst seinen Feinden dadurch geringschätzig werden,Daß keiner seiner Schüler Entschlossenheit genug hatte, sich auchin der entscheidenden Stunde zu ihm zu bekennen? Wie sollteder ganz Juda und die gesammte Menschheit mit dem Himmels-N>ort begeistern, welcher nicht einmal seine Busenfreunde, seineZöglinge für sich begeistern konnte? Das Alles erwog Petrusnicht in der ersten Bestürzung. Die Thränen der Scham undReue fielen zu spät.

Aber Petrus verläugncte Jesum in der ersten Bestürzung.Wie viele Jünger und Jüngerinnen des Göttlichen leben heute,welche ihn, mit ähnlicher Selbstsucht zwar, aber mit kaltemBlute, mit Ueberlcgung, vor der Welt verläugnen!

Jesus ist nicht mehr persönlich unter uns, aber sein Geistnoch in seiner Lehre. Und wer die Tugend verläugnet, dasRecht und die Wahrheit, die Jesus predigte, der verläugnet ihnselbst. Das ist das laue Christenthum, die laue Gottesliebeunserer Tage, daß man mit seinen Grundsätzen nach den Um-ständen schallet. Man richtet nicht sein Leben und Thun nachder Religion ein, sondern die Religion nach dem Leben. Manhat keine ewige, feste Christustugend, sondern eine Tugend, inder man sich cs bequem macht. Man hat nicht die göttlicheWeisheit, sondern die thierische, selbstsüchtige Schlauheit, dieman lieber Klugheit heißt.

Daher stammen die sprichwörtlichen Redensarten, welcheDie Verschlechterung der christlichen Denkart treffend bezeugen;zum Beispiel: Noth bricht Eisen; oder: Man muß aus der'Roth eine Tugend machen. Das heißt, man will unter gewissenUmständen das Verdammungswürdige für lobenswürdig, dasSchwarze für schneeweiß halten dürfen. Man nennt den Be-trug, die Unwahrheit und Falschheit, welche man rechtfertigenwill Nothlüge.

Wenn Jemand, ohne inner« Werth seiner selbst, ihn sichdurch Prunk und Gepränge in Worten und äußern HandlungenVerschaffen, sich ein Ansehen bei den Leuten gewinnen will, daser nicht verdient, so spricht der Prahler: die Klugheit gebietetrs mir; bescheidenes Verdienst wird nicht anerkannt; man muß