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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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und Richter Lippen, und die Mordlust auS den Augen desjüdischen Volkes funkeln? Konnte er Jesum retten, wenn er,statt ihn zu verläugnen, sich zu ihm bekannt hätte? War es nichtbillig, daß er wenigstens noch auf die Rettung seines eigenenLebens bedacht war? Konnte hier die Nothlüge nicht zu einerheiligen Pflicht werden? Gebot hier nicht die Klugheit, füreinen Augenblick von der Wahrheit abzugehen?

So wird Mancher, der sich in die bedenkliche Lage desJüngers versetzt, heimlich bei sich denken, wenn er gleich csöffentlich zu sagen sich schämt. Aber Petrus, sobald er vomersten Schrecken zu sich selber gekommen war, fand, was ergethan, weder gerecht noch klug. Denn er fühlte sein Vergehenmit schmerzlicher Reue: er weinte bitterlich. Er fühlte, daß erseinem Jesus nicht die unendliche Liebe vergolten habe. Woist der Vater, der sein Kind liebt, welcher es im Augenblick derGefahr verläugnen könnte? Wo ist die Mutter, die in ihrerheißen Mutterliebe nicht das Leben um das Leben des Kindeswagen, oder die in der Roth desselben sich von ihm lossagcnwürde? Wahre Zärtlichkeit denkt nur an den geliebten Gegen-stand und vergißt sich selbst. Petrus fühlte, er habe seinen Jesumnicht so geliebt, wie er von ihm geliebt worden. Darum ginger,und weinte die Thränen bitterer Reue. Er fühlte, daß ernicht nur ohne Liebe, sondern auch ohne Gerechtigkeit gehandelthabe. Denn hier kam es ja nicht darauf an, sich selbst oderChristo das Leben zu retten, sondern der Wahrheit die Ehre zugeben, die Jesus unerschrocken vor dem Zorn der Richter bekannthatte. Es kam darauf an, daß wider die falschen Zeugen auchwahre Zeugen auftraten und bekannten: Ja, dieser Jesus istder Messias, ist der Christ, ist der Weltheiland! Es kam daraufan, um allen Gläubigen Muth zu machen, daß öffentlich in JesuSinn seine Schüler handelten, und daß sein Evangelium würdigsei, für dasselbe Gut und Blut hinzuopfern. Aber Petrus, wennauch überzeugt von der Wahrheit der Lehre Jesu und der Kraftderselben, die Sünder selig zu machen, hatte nicht den Muth,der allererste Blutzeuge der Religion zu werden. Er fühlte seinschweres Vergehen, und ging hinaus und weinte bitterlich. Mußte