1
245
26.
Die N o t h l ü g e n.
Luk. 22, 55. 56. 57.
Nur wer reines Herzens ist,
Blickt zum Himmel mit Vertrauen;Schlauheit kann und HinterlistNiemals festes Glück erbauen.
Neben müssen, so wie Thalen,
Unser reines Herz vcrrathen.
Ränke stnd der Weisheit nie,
Launen nie der Tugend eigen;
Aber Vorsicht fordert sie,
Wie im Reden, so iw Schweigen.
Gott sollst du in allen Trieben,
Menschen wie dich selber lieben.
Wem im Busen tief und hellWahre GotteSlicbe lodert,
O der fehlet nicht so schnell.
Was er meidet, was er fordert,
Und sein Reden und sein SchweigenWird von Gottes Liebe zeugen.
„dieser war auch mit ihm!" rief die Magd, welche den JüngerJesu im Hause des Hohenpriesters am Feuer sitzen sah, währendChristus duldend das Todesurtheil erwarten mußte, und ein^ gleich trauriges Schicksal alle seine Anhänger bedrohte. „Dieserwar auch mit ihm!" rief die Magd. Petrus aber, voller Furchtund Schrecken, verläugnete ihn und sprach: Weib, ich kenneihn nicht! (Luk. 22, 57.)
That Petrus recht daran, als er in augenscheinlicher Gefahr, war, sich von seinem Meister loszusagcn und zu sprechen: Ichkenneihnnicht!? — Vielleicht wird Jeder, der es liefet oderhöret, ausrufen: Das sei ferne! Ich an seiner Stelle würdemeinen Heiland nie verläugnct haben! — Aber Viele werdenin ihrem Herzen denken: Konnte er denn anders? War ernicht gewiß, daß, wenn er die Wahrheit spräche, er ebenfallsdem grausamsten Schicksale preis gegeben worden wäre? Saher nicht das Verdammungsurtheil Jesu schon auf aller Zeugen