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als es gegenwärtig ist. Ja, auch wenn ich fehlte, war meineReue lebhafter, mein Schmerz tiefer und aufrichtiger; ich erhobmich schneller nach jedem Fall, und meine Heimkehr zum Vater-herzen Gottes war freudiger, rührender, als heute.
Und warum ist das, was ehemals gewesen, nicht auch nochheute? Bin ich nicht mehr derselbe Mensch, der ich gesternwar? Woher diese Verwandlung?
Kostete mir denn meine frühere Frömmigkeit allzuviel lieber-Windung und Mühe? — Nein, ich war unschuldig, herzlich,redlich, weil ich es sein wollte; und mehr als diesen Willen hatteich nicht nüthig. Ich liebte die Menschen, weil ich keinen Grundhatte, sie zu Haffen. Ich half uneigennützig meinen Brüdern;half selbst mit freudiger Aufopferung ganz unbekannten Personen,und empfand dabei eine wahre Himmelslust. Aus Dienstgefällig-keit schadet: ich mir oft selber; aus Großmuth gab ich oft meineneigenen Feinden den Sieg über mich, und doch empfand ichdarüber mehr Vergnügen, als Schmerz. Ich ward oft betrogenvon denen, welchen ich allzusehr traute; aber dies machte michnicht mißtrauisch gegen Andere. Ich blieb der Gleiche. Ichbeklagte nur, daß die Tugend so wenig zärtliche Verehrer aufErden habe; beklagte nur, daß die schönsten und süßesten allerGefühle, Freundschaft und Lieoe, uns oft die hcrbestcn Leidenveranlassen. Aber darum war mir die Tugend nicht minderheilig; darum waren mir Freundschaft und Liebe nicht minderdie edelsten Kleinodien des Erdenlcbens.
Dem Allwissenden ist es bekannt, wie mein feuriges Ver-langen nach Veredlung durch jede Tugend, wie mein höchsterWunsch das Glück der Welt war. Dem Allwissenden ist es be-kannt, wie lange ich nach keinem andern Ziele strebte. Er hat dieBemühung meines Herzens zu jeder Besserung gesehen. Er warZeuge meiner ersten Thaten, die ich, von den Wahrheiten derReligion gerührt, beging, um seiner Huld würdig zu werden. Erwar Zeuge meiner feierlichen Gelübde, ach, der oft wiederholten,in welchen ich ihm meine Seele, mein ganzes Leben weihte.
Und nun bin ich nicht mehr der Vorige. Die Welt um michher scheint verwandelt; scheint nicht mehr so heilig, so schön zu