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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
229
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sein, weil ich mich selbst in meinem Innern verändert suhle. Ichhabe nicht mehr die alte Heiterkeit, die stille Harmlosigkeit, denSeelenfrieden, der für mich aus dem Vertrauen auf GottesVaterweisheit hervorging. Ich bin unter den Menschen nichtmehr wie unter Brüdern, sondern schüchtern und argwöhnisch,wie unter geheimen Widersachern. Ich habe meine Augen mehrauf das Irdische als auf das Göttliche gerichtet, und doch dünktmich alles Irdische nicht mehr mit jenem wundervollen Reizumgeben, der mich einst so oft entzückte. Ich habe noch oft denWunsch, groß und christlich-edel zu denken und zu handeln; abertausend kleine Nebenrückstchten drängen sich dann zwischen meineSeele und den heiligen Wunsch, und ich bleibe kraftlos undgemein. Noch ist oft das Glück der ganzen Welt mein höchstesVerlangen; ich beklage es schmerzlich, wenn ich so viel Elendund Gebrechlichkeit des Lebens, den Jammer von Familien undVölkern sehe, als strafende Folge einer allgemeinen Verderbt-heit des Herzens aber ich habe keinen Much, das Bessere zuleisten, und kehre immer voller Selbstsucht zu mir zurück, undhalte die Klugheit oft mehr werth, als die Größe der Seelen,die nichts scheuet für Gott, Wahrheit und Weltglück.

Meine ersten Gelübde schweben halbvergessen hinter nur inden Schatten der Vergangenheit, wo ich sie einst schwor; unddie Thränen, mit welchen ich sie voll inbrünstiger Andacht demHimmel darbrachte, habm ihre Kraft und Bedeutung verloren.

Wohl fühle ich mich schuldig, und daß cs meinem Herzengilt, wenn das göttliche Wort spricht: Aber ich habe widerdich, daß du die erste Liebe verlassest. (Offenb. Joh.8, 4.) Gott war meine erste Zuversicht und Freude, Jesusmeine erste Liebe seitdem ward es die Leidenschaft des Stolzes,des Wohllebens, der Eitelkeit.

Noch heute gedenke ich nicht ohne Bewegung des GemüthSjener feierlichen Stunden, da ich unter namenlosem Entzücken,von den Wundern göttlicher Güte umringt, oder unter namen-losem Schmerze, am Sterbebette, am Sarge geliebter Personen,meine Seele Gott weihte, indem ich den Tand des gewöhnlichenLebens verachten lernte.