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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
225
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können sie mit ihren unreinen Absichten auch vor dem allwissendenRichter der Seelen bestehen?

Wieder Andere, und ihre Zahl ist vielleicht die größte, be-handeln gern gewisse Lieblingslaster der Menschen mit Leichtigkeit,oder wollen sogar ein Verdienst daraus machen, weil si-e selbstvon ihnen nicht frei sind. Im Gefühl ihrer eigenenVerworfenheit wollen sie Sündengenossen, Theilnehmer ihrerDenkart erheben, oder entschuldigen, um sich nicht selbst ver-dammen zu müssen. Sie können es nicht ertragen, daß man dasfür schlecht halte, dessen sic selbst fähig oder schuldig sind. Sohalten sie ihrer eigenen Schande Lobreden, suchen mit witzigemScherze ihre Fehler zu verkleinern, indem sie Andere nicht tadel-haft finden. Ja im Schmerze ihrer Unwürdigkeit, die ihnen dasimmerdar wache Gewissen vorwirft, machen sie sogar Tugendenlächerlich, die ihnen fehlen, und wollen ihren Verstand bestechen,damit sein Urtheil ihre Handlungen gliinpflich richte.

War auch ich immer frei und rein von jenem Vergehen?War auch ich nicht oft schwach genug, in Gesellschaften den herr-schenden Ton anzunehmen, mir welchem das Abscheuliche derSit-tenlosigkeit verzeihlich, und die redliche Unschuld als ein Gegen-stand des Spottes und mmhwilligen Scherzes aufgestellt ward?

O, wenn ich mich jemals so weit vergaß-barmherziger

Gott! wenn ich mich aus kleinlichen Rücksichten jemals dahinreißenließ, eiteln Menschen lieber zu dienen und zu gefallen, als Dir o Verzeihung und Gnade! Nie, nie soll wieder des LastersLob, der Tugend Verspottung meine Lippen entweihen, meinHerz besudeln! Wahrheit in Gedanken und Worten seimeinSchmuck vor dem Allwissenden und vor allen guten Menschen!Ach, ich bin von Vielen verkannt: aber gab ich nicht vielleichtDurch meine unbesonnenen und leichtfertigen Reden selbst Anlaßdazu, daß man mich erst im Stillen, und dann lauter, fürschlechter hielt, als ich war?

Rede, wie du denkst! gebietet die Tugend. Redenicht Alles, was du denkst! gebietet die Klugheit. Indiesen wenigen Worten liegt ein Schatz erhabener christlicherLebensweisheit eingeschlossen.