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23.
Des Lasters Beschönigungen.
Spr. Sal. 24, 24.
Laß / o Du/ der Wahrheit Licht!
Mich mir selbst nicht treulos werden;
Scherzen nie mit meiner Pflicht;
Nicht mit Worten und GebcrdcnDas entschuldigen voll List/
Was an mir verächtlich ist.
Nein / ich will aus EitelkeitNie zur Heuchelei-verstukcn:
Nie der Sünden HäßlichkeitMit dem Glan; der Tugend schminken:
Wer der Hölle Weihrauch streut/
Hat sich ihr schon halb geweiht!
§6ie fteht doch der Mensch mit sich unaufhörlich im lautester?Widerspruch! Wie selten ist er doch mit sich selbst einig! Erhängt seinen Lieblingssünden und Übeln Neigungen an, als-führte ihre Befriedigung ihn zur höchsten Glückseligkeit, und dochverflucht er sie im gleichen Augenblick, weil sie ihm nur Un-zufriedenheit, Sorge und Verdruß aller Art bringen. Er ergibtsich der Wollust mit gleicher Begierde, wie dem Geize, der Ehr-sucht mit gleichem Ungestüm, wie der Rachsucht; einer Sündeergibt er sich um der andern, als wäre jede das Edelste undSchönste auf Erden, und dennoch schämt er sich ihrer, undmöchte seine Schändlichkeit gern vor aller Welt Augen, und wärees möglich, sie vor seinem eigenen Bewußtsein verbergen.
Warum diese Widersprüche? Warum, Mensch, meidest dirnicht das, dessen du dich doch schämen mußt? L^der warumprangest du nicht gern öffentlich mit dem, was du so sehrsiebest? — Unzüchtiger, warum schleichst du im Finstern derNacht umher mit verbrecherischen, bangen Schritten? Mörder,warum bebst du vor dem Rauschen eines Laubes? Heimsi'ch/.rBetrüger, warum ist dir jedes Menschen scharfer Blick, der aufdich fällt, verdächtig? Und du, der anvertrautes Gm unterschlägt,warum fühlst du Beängstigungen, so oft dich, etwas an deinen