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-gewissenhafte Beobachtung des äußerlichen Gottesdienstes undbuchstäbliches Bekennen der Glaubensformeln genug zu thunglaubt, dort aber ein Anderer gegen das Aeußere der Religionenüberhaupt gleichgültig ist; wie hier einer Jrrthum und Unglaubeschilt, was dem Andern heilige Wahrheit und beseligende lieber-zeugung ist, während dieser des Andern Lehre als Wahn undAberglauben verachtet.
Aber was sage ich, daß diese Verschiedenheit in GlaubenssachenHeutiges Tages auffallend sei. Sie hat von jeher statt gefunden.In allen Jahrhunderten ward über GlaubensfragenStreit erhoben — Streit, der oft, o des fürchterlichenWahnsinns der Sterblichen! zu blutigen, verheerenden Kriegenentartete. In allen Jahrhunderten waren andere Auslegungender Schrift, andere Vorstellungen der Offenbarung. Wohersonst die Mannigfaltigkeit der Religionen auf Erden? Wohersonst die verschiedenen Kirchenparteien in den Religionsbekennt-nissen selbst?
Was soll ich, als Christ, der nach Wahrheit strebt, unterLiesen Umständen denken und thun? Soll ich irre werden an-.aller Religion? Wie könnte ich cs, da mein ganzes Wissen ohneReligion ein bedeutungsloses Nichts sein würde? Wie könnteich cs, da die gestimmte Menschheit Religion bekennt, ihren GottLind meinen Gott in tausendfach verschiedenen Zungen anruftund mit millionenfachen Seufzern der Ewigkeit entgegenschaut?
Soll ich die Wahrheit meines Glaubens bezweifeln? —Dieses Glaubens, der mich so oft seligen Herzens macht? —Kieses Glaubens, der mich allein in Unglücksfällen aus der Tiefejedes Jammers erheben kann? — dieses Glaubens, dessen meineVäter waren, und die darin unter himmlischen Hoffnungen ent-schlummerten? — Nein, wie soll ich bezweifeln, was für michWahrheit, Gewißheit, Leben und Kraft ist?
Soll ich nach neuen Meinungen forschen? Aber, wenn ichdas Neue erforscht hätte, wäre ich darum glücklicher, weiser,Leister geworden? Hätte ich darum ein höheres Verdienst vorGott? Wäre ich gewisser, daß ich dann im ausschließlichenBesitz der Wahrheit wäre? Könnte ich dann nicht von neuem zu