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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
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zum Lenker aller Schicksale empor; und der absterbende Greislächelt getrost beim Hinschwinden der Leibeskräfte: Ich werdenicht ganz sterben! - Jeder bewahrt in seinem Herzen einenfrommen Glauben. Es ist kein menschlicher Geist, es war keiner,rS wird keiner sein, der sich nicht deutlicher oder dunkler allemGeistigen verbrüdert fühlt und verwandt mit dem allerhöchstenWesen. Und jeder wird durch seinen Glauben beglückt.

Wenn ich aber meine Lebenszeit überdenke, zurückschaue in dieReihe meiner Jahre, so weit die Erinnerung reicht, kann ich mirnicht verbergen, daß der religiöse Glaube, welcher mich jetzt be-seligt, nicht zu allen Zeiten der nämliche war. Ich muß eingestehen.Saß ich meine Vorstellungen von der Gottheit, von Belohnungund Bestrafung nach dem Tode, sehr oft geändert habe. Ichmuß sprechen mit Paulus: da ich ein Kind war, da redete ichwie ein Kind, und war klug wie ein Kind. (1. Kor. 16, 11.)

Und wer ist mir Bürge, je älter ich werde, je mehr Erfahrung,sch zu machen Gelegenheit habe, je mehr sich mein Verstand-aufheitert, je mehr Vorurtheile und irrige Meinungen ich fahrenlasse, daß ich nicht auch im spätern Alter ganz andere religiöseUeberzeugungen, einen anders gestalteten Glauben haben werde,«als gegenwärtig?

Und was ich bei mich wahrnehme: bin ich nicht berechtigt,zu vermachen, daß cs auch Andern also ergangen sei? Ist csnicht eine nur allzuentschiedene Gewißheit, daß jeder Mensch,nach Maßgabe seiner Vcrstandeskräfte, seines Temperaments,seiner bcsondcrn Schicksale, in religiösen Glaubcnssachen oft vonAndern abwciche? Zwar mögen sie Alle in gewissen Hauptstückenmit einander Übereinkommen, aber in tausend Nebenzweigentrennen sie sich. Zwar mögen sie Alle Gott glauben und ver-ehren; aber in der Vorstellung von dem Verhältnisse zu ihm,dem Erlöser, trennen sie sich von einander. Zwar mögen sie Allean die unsterbliche Fortdauer der Seele glauben, aber über denZustand derselben nach der Auflösung des Leibes herrschenunzählige Glaubensmeinungen.

Wessen Glaube ist denn nun der beste, der allein wahre?Ihr berufet euch auf die Gründe der menschlichen Vernunft;