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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
155
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Nicht mit seinem niedrigen Stande im bürgerlichen Leben ztvfrieden ist, und eine glänzendere Rolle spielen möchte. Wer dieWeisheit sucht, um Stoff zur Eitelkeit zu haben, wahrlich devfindet sie nicht, denn er ist auf Abwegen; dem lächelt GottesGnade nicht; der ärntet unter den verständigen Menschen, stattdes erwarteten Beifalls, nur Spott und Verachtung.

Darum begnüge dich mit deinem Beruf/selbstwenn er nicht ganz mit deinen Neigungen über-einstimmt, und du ihn wider deinen Willen hastergreifen müssen. Aber mache ihn ehrenvoll durch die Artund Weise, wie du ihn treibst, und leiste in demselben das Voll-kommenste, was geleistet werden kann. Erweitere dazu deine.Kenntnisse, und erweitere mit denselben deinen Erwerb, wenn erdir für deine Bedürfnisse zu beschränkt und zu wenig einträglich ist.

Billig erfährt derjenige von seinen Mitbürgern Verachtung,-und er muß sich selbst verachten, der nicht im Stande ist, denPlatz auszufüllen, auf den er gestellt ist, er sei nun Handwerker«der Künstler, oder Lehrer, oder Priester, oder obrigkeitlicherBeamter, oder Kriegsmann. Er taugt seiner Familie wenig,svcnig dem Vaterlande und der Menschheit. Sein Leben wird demZrüßcrn Thcil nach unnütz verlebt. Mit Fleiß und Erweiterung der.Kenntnisse in seinem Fache wäre er der Welt wohlthätig geworden,-er mochte Taglöhner oder Feldherr sein, am Pfluge stehen oderauf dem Richterstuhle sitzen. Durch Unwissenheit und Unfähigkeitwird er vielmehr schädlich für das gemeine Wesen, und seinThun und Treiben wird Sünde, insofern er seine Unwissenheitselbst verschuldet hat, oder er sich zu einer Stelle drängte odererheben ließ, der er nicht mit seinen Einsichten gewachsen war.

Dies ist der gewöhnliche Fehler der Menschen, daß sie inDer Wahl ihres Berufes, oder in der Ucbernahme von einemAmt, weniger ihre Fähigkeit um Rath fragen, als ihre Habsuchtund ihren Ehrgeiz. Sie vergessen dabei die heiligsten Pflichten,die sie Gott und der Welt schuldig sind; sie werden öffentlicheBetrüger an ihren Mitbürgern, indem sie sich für mehr geben,als sie sind, und durch den Antritt ihrer Stelle mehr geloben,als sie bei ihrer Ungeschicktheit zu leisten im Stande sind. Durchihre Unkunde und Unwissenheit gcrathen sie nur zu oft in Gefahr,