Druckschrift 
5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

Allein von da an, bis zu seinem Eintritt ins öffentliche Leben,schweigen die Geschichten von ihm. Das Evangelium begnügtsich, diese ganze Reihe von Jahren mit den wenigen, aber nach-drücklichen Worten zu schildern: Und Jesus nahm zu an Weis-heit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. (Luk. 2, 52.)

Wenn das Leben Jesu Christi ein Vorbild und Muster desunsrigen sein soll, wer wird nicht wünschen, daß von uns undJedem ein Aehnliches gesagt werden könnte? Das Zunehmen anWeisheit, das heißt, an Erkenntniß des Wahren und Nützlichen,und daraus entspringender größerer Frömmigkeit, > ist Jeder-manns erste Lebcnspflicht: damit steigt auch zugleich die Gnade,welche wir vor den Augen Gottes und der Menschen genießen.

Die Religion Jesu ist zwar selbst keine gelehrte Wissenschaft,sondern eine Kraft Gottes, die Sünder selig zu machen; sieist zwar nicht bloß für hocherleuchtete Männer und Gelehrtegegeben, sondern einfach und klar, daß sie auch von dem Un-unterrichteten, auch von dem Kinde, dessen Verstand einiger-maßen reif ist, begriffen werden kann; sie fordert zwar nicht auf,Laß wir uns Alle mit Erwerbung von Wissenschaften und ge-lehrten Dingen beschäftigen sollen, sondern ermahnt vielmehr,daß Jeder seines Standes und Berufes pflegen soll, in welchener durch die Vorsehung versetzt worden ist: doch macht sie unsdas Fortschreiten in Erkenntniß alles Wahren und Nützlichen,die Aufklärung und Befreiung unsers Verstandes von Jrrthümernund Vorurtheilen, die Ausbildung und Stärkung unsers unsterb-lichen Geistes zur Hauptpflicht. Dazu gab uns Gott die ver-schiedenen Anlagen des Geistes, nämlich Vernunft, Verstand,Einbildungskraft und Gedächtnis», daß wir mit diesem Pfundewuchern und es nicht vergraben sollen. Niemand zündet ein Lichtan, sprach Jesus, und setzt es unter den Scheffel. (Luk. 11,33.)Darum rief Paulus seinen Freunden zu: Lieben Brüder, waswahr, was ehrbar, was recht, was lieblich ist, was wohl lautet,dem denket nach. (Phil. 4, 8.) Selbst Gottes unsichtbaresWesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, soman das wahrnimmt an den Werken, nämlich an der Schöpfungder Welt. (Röm. 1, 20.)