145
nun einmal gewohnt ist, nach der Außenseite zu richten, zuschiefen Beurtheilungen Anlaß gebe. Unreinlichkeit, Nachlässig-keit, Verwahrlosung des äußerlichen Anstandes, rohes Benehmen,grobe Worte finden auch bei allem übrigen innern Werth desMannes keine Rechtfertigung; denn sie verrathen einen Mangelan Achtung, welche wir denjenigen schuldig sind, mit denen wirumgehen; sie verrathen eine gewisse Rohheit und Härte desGemüthes, die sich selten mit jenem Zartgefühl vereinbaren läßt,welches das Christ-.tthum in Ausübung vieler Pflichten fordert.Da es keinem Sterblichen möglich ist, mit dem ersten Blick deninnern Werth oder Unwerth seines Nebenmenschen zu durch-schauen, nimmt er gern von dem Aeußern den Maßstab für dasInnere. Und mancher würdige, verdienstfähige Mann, welcherder Welt oder seinen Mitbürgern großen Nutzen stiften könnte,ist selbst daran Schuld, daß er verkannt und unbrauchbar wird,weil er durch Ungefälligkeit, Rohheit und Nachlässigkeit inGeberden, Worten und Sitten diejenigen zurückstößt, welche ihnam ersten in seinen Wünschen unterstützen könnten. Er nenntzwar im Gefühl seines bessern innern Werthes diese AußendingeKleinigkeiten; aber sie hören dadurch auf, Kleinigkeiten zu sein,daß sie verhindern, diesen innern Werth gültig zu machen, unddem Vaterlande nützlich zu werden.
Allerdings ist es eine schöne Eigenschaft des Mannes, in derGesellschaft durch Munterkeit, Witz und geistvolle Gedanken diefrohe Unterhaltung zu beiden. Freude verbreiten ist Pflicht.Das gesellige Leben ist der Tummelplatz der Geister, wo sie inden Spielen ihrer Gedanken und im Austausch ihrer Vor-stellungen sich wechselweise zur edeln Nacheiferung wecken underheben. Wer möchte die schuldlosen Scherze der Fröhlichkeitaus unserer Mitte verbannen, und den nicht dankbar lieben, dersie uns schafft? — Aber diese Freuden der Gesellschaft sind nichtder große Hauptzweck des Lebens, sondern nur Erquickungensollen sie für die unter ernstern Anstrengungen ermüdete Kraftsein. Wer aber sie selbst zur wichtigsten Angelegenheit macht,nur arbeitet und sorgt, um sie zu genießen, oder in ihnen zuglänzen; wem der Ruhm, ein guter Gesellschafter, ein witzigerV. 7