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5 (1837) Andachtsbuch für die Jugend
Entstehung
Seite
137
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beschränkt wird, ist bei dem Weibe der Uebcrgang zur Un-natürlichst. Es ist ihm mehr darum zu thun, sich hervor-zuthun und aufzufallen, als zu gefallen. Es fängt an zuvergessen, daß der Mensch eigentlich seinem Kleide, nicht aberdaß das Kleid seinem Menschen den Werth in anderer Augengibt. Die Putzsucht verwirrt, wie jede andere Leidenschaft, dengesunden Menschenverstand, verkehrt alle Begriffe, sogar dieVorstellungen vom Anmuthigen und Schönen selbst, für welchesich doch die Putzsucht zuerst in das Leben rief.

Aus dieser Unnatürlichkcit und Entartung des Verschönerungs-triebes können wir uns die Erscheinungen jener schnell wechseln-den, oft geschmacklosen, oft unzüchtigen, oft ekelhaften Kleider-trachten und Verzierungen erklären, die unter dem Namen derMode bekannt genug sind. Nicht Allen sieht Alles wohl an;sondern jede Gestalt, jedes Alter fordert eine eigene Art desVerschöncrns, um gefällig dazustehcn. Daher läßt sich schonvoraus berechnen, daß eine neue Kleidersitte nicht zum Vortheiljeglicher Person sei, und daß diejenigen, welche sie blindlingsannchmen, in dieser Geschmacklosigkeit nur ihre schwache Urtheils-krast, in der Begierde darnach ihre putzsüchtige Eitelkeit, undin der oft darin sich äußernden Vcrgessung des Sittsamen denMangel an wirklicher Schamhaftigkeit bezeugen, welche desWeibes liebenswürdigste Tugend ist.

Die Kleidertrachten wechseln. Was unter dem Monde istbeständig? Und. warum sollte das Allernichtigste eine Aus-nahme vom allgemeinen Gesetze machen? So verdamme dennNiemand das Spiel und den Wechsel der Mode, aber die Ver-letzung der Scham, der Zucht und des Geschmacks in derselben.Ein Frauenzimmer von edelm, bescheidenem Sinn, von jenerschönen Demuth, die Jesus empfiehlt, wird die herrschendgewordenen Sitten und Trachten allerdings annehmen, aberaus ehrwürdigerm Beweggründe, als das putzsüchtige Weib.Es nimmt sie an, um sich nicht auszuzeichnen, um nichtaufzufallcn. Es ergreift dieselben nicht aus eitler, blinder,alberner Nachäfferei, ohne Prüfung, was seinem Alter oderseiner Gestalt, oder seiner Denkart angemessen sei, sondern es