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weiß selbst in sie den Adel von Empfindungen und die Würdeeines Herzens überzutragen, durch welche es Hochachtung undLiebe der bessern Menschen unwiderstehlich fesselt. Wer magfordern, daß die sittsame keusche Jungfrau der buhlerischenEntblößungen eines geilen Weibes bedürfe, um liebenswürdigzu erscheinen, oder die abenteuerlichen Erpfindungen einerThörin verehre, um richtigen Verstand zu zeigen!
Bescheidenheit, Sittigkeit, Schamhaftigkeit, Einfalt, Un-schuld, Natur, Wahrheit, Häuslichkeit: dies sind die edelstenKleinodien des weiblichen Herzens. Ihnen sollen die äußernentsprechen; nur durch sie kann das Weib gefallen Die, welchenicht erröthet, durch die Art ihrer Bekleidung, durch halbeEntblößungen, leichte Verhüllungen unreine Begierden zu er-regen, gesteht ein, daß sie dieselben schon empfunden habe.Der feiner fühlende Mann wird sie im Stillen verachten, derWüstling sie unter Seinesgleichen zum Gegenstand ehrloserScherze machen.
Die Putzsucht, diese Entartung des natürlichen Strebenszu gefallen, führt das schlecht verwahrte Herz leicht von derThorhcit zum Verbrechen. Und Verbrechen ist doch wohl dieVerschwendung des Edelsten unter allen Erdcngütern, nämlichunwiderkäuflicher Zeit? Verbrechen ist doch wohl ein denhäuslichen Verhältnissen und Vcrmögensumftänden nachtheiligerAufwand? Verbrechen ist doch die über die Sucht zu gefallenund über die Mühen des Putzes unterlassene oder wenig strengbeobachtete Pflicht gegen Aeltern, Gatten, Kinder? Verbrechenist doch wohl die über den äußern Prunk versäumte innereUnschuld; die Vernachlässigung des Höchsten im Menschen,der Religion; die leichtsinnige Verscherzung der Ewigkeit?
Sollen wir uns über das Unglück so vieler Menschen längerwundern, da sie in der Verworrenheit ihres Verstandes dasGeringste zum Erhabensten, das Erhabenste zum Geringstenmachen? Wird sich nicht endlich die Natur an ihren Verächternrächen? Woher der Ruin so manches Wohlstandes, die Zer-rüttung so manches Hauswesens, das elende Schicksal somancher Ehe, die Verwilderung so mancher Kinder?